SNV

«Urvater» der weltweit meist gekauften Norm ISO 9001 reicht Zepter weiter

Ende 2015 gab Ian Campbell nach über 25jähriger Tätigkeit im Technischen Komitee ISOISO
International Organization for Standardization
/TCTC
Technical Committee
176 «Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung» und nach 15 Jahren als Vorsitzender des Schweizer Normenkomitees NKNK
Normen-Komitee
140 dessen Leitung an seinen Nachfolger Ron Trap weiter.


Bildlegende: Ian Campbell (vorne rechts) mit Ron Trap (vorne links) und Mitgliedern des Technischen Komitees ISOISO
International Organization for Standardization
/TCTC
Technical Committee
176

Das ISOISO
International Organization for Standardization
/TCTC
Technical Committee
176 erarbeitet seit 1987 die 20 Normen der sogenannten ISOISO
International Organization for Standardization
9000er Familie für das generische Qualitätsmanagement, darunter

  • ISOISO
    International Organization for Standardization
    9000 - «Grundlagen und Begriffe»
  • ISOISO
    International Organization for Standardization
    9001 - «QM-Systeme - Anforderungen» (die meistgekaufte ISO-Norm)
  • ISOISO
    International Organization for Standardization
    9004 - «Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation  -  Ein Qualitätsmanagementansatz» (d.h. ein umfassendes Qualitätsmanagement hinsichtlich Leitung der Organisation  -  über den schmalen Konformitäts-Ansatz von ISOISO
    International Organization for Standardization
    9001 hinaus).


Ian Campbell war ehemaliger Qualitäts- und Risikomanager bei führenden Unternehmen in der Schweiz. Er war auch Gründungsmitglied und ehemaliger Vorsitzender des SNV Normenkomitees NKNK
Normen-Komitee
410 für QM und RM für Medizinprodukte (ISOISO
International Organization for Standardization
13485, ISOISO
International Organization for Standardization
14971 u.a.) und Fachexperte in den zwei Arbeitsgruppen, die die Risikomanagement-Normen ISOISO
International Organization for Standardization
31000 und ONR 49000 ff. erarbeiteten, sowie Managementsystem- und Akkreditierungsauditor und - mit über 70 Seminaren - Hauptreferent der SNV zu diesen Themen.

An dieser Stelle möchten wir Ian Campbell für seine ausserordentliche Leistung sowie seinen unermüdlichen Einsatz für die Normungsarbeit danken und ihm alles Gute für seine Zukunft wünschen. Bevor wir ihn aber gehen lassen, richten wir noch ein paar Fragen an ihn.

1. Die ISOISO
International Organization for Standardization
9001 ist die weltweit meist gekaufte Norm, weit über 1 Million Unternehmen sind danach zertifiziert. Herr Campbell, Sie wirken seit 1990 an dieser bedeutsamen Norm mit. Wie haben Sie die Entwicklung der ISOISO
International Organization for Standardization
9001 seit dem Start wahrgenommen und wohin, glauben Sie, wird sie sich in Zukunft bewegen?

Ian Campbell: «Urvater» eher nicht, denn die ISOISO
International Organization for Standardization
9001 wurde Mitte der 80er Jahre konzipiert und 1987 publiziert. Ich selber stiess erst 1990 dazu, als ISOISO
International Organization for Standardization
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Technical Committee
176 eine Plenarsitzung in Interlaken abhielt. Schon damals arbeiteten die Experten an einer Überarbeitung, die 1994 publiziert wurde. Diese erste Revision widerspiegelte die Entwicklung von «Quality Control» zu «Quality Assurance», während die zweite im Jahr 2000 die Qualitätssicherung erstmals als Managementaufgabe behandelte.

Neu wurde der prozessorientierte Ansatz eingeführt, mit der Anforderung, alle Aktivitäten als ein Netzwerk von Prozessen und Sub-Prozessen anzusehen und zu beherrschen. Die Anforderungen bezogen sich weniger darauf, was genau zu tun ist, sondern richteten den Fokus eher darauf, was zu erreichen ist. Damit wurde das Auditieren mittels ja/nein Checklisten schwieriger. Auditoren mussten sich neu mit den Qualitätszielen der Organisation auseinandersetzen.

Die Revision in 2008 wurde als Kleinrevision bewertet, denn es kamen keine substantiellen Änderungen, lediglich Präzisierungen der Grossrevision aus dem Jahr 2000. Die neuste, im Herbst 2015 publizierte Revision zeigt grössere Änderungen auf. Besonders zu erwähnen ist die eindeutige Erhöhung der Management-Aspekte, und speziell auch die Forderung eines risikobasierten Denkens.


2. Auf welchen Erfolg in Ihrer Karriere als Normungsexperte sind Sie besonders stolz?
Ian Campbell: Dass ich in einem internationalen Konsensverfahren und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Unternehmen in der Schweiz etwas zum Erfolg des Qualitätsmanagements als Business-Konzept habe beitragen können.

3. Wo gab es auch mal Stolpersteine und wo mussten Sie auch einmal Berge versetzen?
Ian Campbell: Wesentlich für den internationalen Normungsprozess ist die Diskussionsfähigkeit und die Bereitschaft, Konsens zu finden, auch gegenüber anderen kulturbedingten Denkweisen und auch wenn die individuellen bzw. nationalen Zielsetzungen nicht 100-prozentig erreicht werden. Neue bzw. unerfahrene Akteure im ISO-Prozess müssen diese Fähigkeiten lernen. «Win-lose»-Situationen bringen keinen Konsens und kaum Fortschritt.

4. Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger Ron Trap auf den Weg?
Ian Campbell: Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Qualitätsmanagement in der Industrie und in den letzten Jahren als Berater, wurde Herr Trap von den Experten im Normungskomitee NKNK
Normen-Komitee
140 als hervorragender Kandidat für den Vorsitz einstimmig gewählt. Neben der exzellenten, internen Unterstützung seitens SNV kann er erforderlichenfalls auf meine Insider-Erfahrungen im ISO-Komitee und dessen Sub-Komitees zählen.

5. Wo wird man Ian Campbell in Zukunft antreffen?
Ian Campbell: Einige Seminare und Berater-Tätigkeiten zur Grossrevision ISO 9001:2015 bzw. auch technische Übersetzungen stehen noch an. Aber nach 25 Jahren sehr aktiver Arbeit freuen meine Frau und ich uns auf eine aktivere Zeit im Kreis der Familie, speziell als Grosseltern.