SNV

Schweizer Regel zu Mobilitätsmanagementsystemen

Sowohl der Individualverkehr als auch der öffentliche Verkehr stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Mobilitätsbedürfnisse einzudämmen wird kaum möglich sein. Die grossen Herausforderungen für die Schweiz bleiben daher die Organisation der Mobilität und die Raumplanung.



Mobilitätsmanagementsysteme können einen wichtigen Beitrag leisten. Mit der neuen SNR 155000:2016 «Mobilitätsmanagementsysteme – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung» steht nun ein Leitfaden und mit mobiplan.ch die darauf abgestimmte internetbasierte Umsetzungshilfe zur Verfügung.

Steigende Verkehrsleistung
Laut Bundesamt für Statistik haben sich seit 1970 die Mobilitätsleistungen des motorisierten Individualverkehrs und des öffentlichen Verkehrs ungefähr verdoppelt. Seit 1980 sind die Transportleistungen im Güterverkehr um 85 % angewachsen.
Parallel zur steigenden Verkehrsleistung erhöhen sich auch die Staukosten. Laut einer Studie des Bundesamtes für Raumentwicklung sind diese auf jährlich 1,6 Milliarden Franken angestiegen. Der Verkehr scheint weiterhin ungebremst auf Wachstumskurs zu bleiben. Es liegt deshalb im Interesse aller, die Verkehrsleistung zu optimieren. Neben staatlichen Eingriffen können auch freiwillige Massnahmen einen Beitrag leisten. Das Bundesamt für Energie (BFE) fördert deshalb im Rahmen von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesrats zur Förderung der Energieeffizienz, das Programm «Mobilitätsmanagement in Unternehmen» (MMU) mit dem Ziel, Unternehmen aber auch gemeindeeigene Betriebe auf dem Weg zu einer energieeffizienten und ressourcenschonenden Mobilität in der Geschäfts- und Berufswelt zu unterstützen.

Leitfaden für Mobilitätsmanagementsysteme
Im Rahmen der Förderung von MMU entstand der Wunsch nach einem Leitfaden für ein Mobilitätsmanagementsystem. Unlängst wurden die Normen für Qualitäts- (ISO 9001) und Umweltmanagementsysteme (ISO 14001) revidiert. Eine Norm für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ISO 45001) folgt. Sämtliche Managementsystemnormen der ISOISO
International Organization for Standardization
folgen nun einer einheitlichen Struktur. Aus diesen Gründen wurde ein Leitfaden für Mobilitätsmanagementsysteme auf der Basis der einheitlichen ISO-Struktur als Regel auf nationaler Ebene (SNR) durch die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) erarbeitet.
Inhaltlich lehnt sich die SNR in der Folge stark an die ISO 14001 an und versteht sich als Präzisierung eines Umweltweltmanagementsystems für den Bereich Mobilität. Mit der neuen SNR wird beispielsweise aufgezeigt, wie Umweltauswirkungen der Mobilität bei der Festlegung der bedeutenden Umweltaspekte beurteilt werden können. Wesentliche Prinzipien eines Umweltweltmanagementsystems, wie die Lebenswegbetrachtung oder die fortlaufende Verbesserung, sind übernommen. Die Regel kann als Teil eines Umweltmanagementsystems, aber auch als eigenständiges Mobilitätsmanagementsystem, angewendet werden.

Anforderungen an ein Mobilitätsmanagementsystem
Wie bei allen ISOISO
International Organization for Standardization
Managementsystemen übernimmt die oberste Leitung der Organisation die Verantwortung für die Wirksamkeit des Systems, indem sie beispielsweise die Mobilitätspolitik und -ziele festlegt, die Ressourcen zur Verfügung stellt oder Anforderungen an die Mobilität im Geschäftsprozess der Organisation integriert.
Zentrales Element eines Mobilitätsmanagementsystems ist das Festlegen der bedeutenden Mobilitätsaspekte. Die Auswirkungen des Verkehrs, welche von der Organisation beeinflusst werden können, sind zu ermitteln. Damit ein Mobilitätsaspekt bedeutend wird, muss er einen wesentlichen Beitrag an einen wesentlichen Umweltzustand leisten. Bei der Identifizierung der bedeutenden Mobilitätsaspekte ist der gesamte Lebensweg zu betrachten. Keine CO2-Emissionen für Elektrofahrzeuge auszuweisen ist somit unzulässig. Die Bestimmung bedeutender Mobilitätsaspekte erfordert jedoch keine detaillierte Ökobilanz. Zu den Kriterien, die verwendet werden können, zählen beispielsweise Elementarflüsse wie Treibhausgasemissionen (CO2-eq), Stickoxide, oder Partikel, aber auch Lärmimmissionen, Kosten, Sicherheit und Gesundheitsschutz. Auf die Verwendung vollaggregierter Kenngrössen, wie Umweltbelastungspunkte (UBP) sollte verzichtet werden, da diese den Kontext der verkehrlichen Einwirkung unzureichend abbilden.
Die Mobilitätsaspekte mit einer bedeutenden Umwelteinwirkung sind mit überprüfbaren Zielen und Massnahmen nachweislich fortlaufend zu verbessern.

Umsetzung des Mobilitätsmanagementsystems
Mit mobiplan.ch stellt das Programm EnergieSchweiz ein internetbasiertes Werkzeug für Mobilitätsmanagementsysteme kostenlos und in allen Amtssprachen zur Verfügung. Das System lässt offen, ob systematisch oder massnahmenorientiert vorgegangen wird, und ob ein Mobilitätsmanagementsystem vollständig oder nur Teilen eingeführt wird. Nach einigen Angaben zur Organisation und zur Verkehrsanbindung können die Fahrleistungen erfasst werden.
Für jede Verkehrsart stehen verschiedene Verkehrsmittel zur Auswahl. Auf Basis von Ökobilanzdaten von ecoinvent werden die Treibhausgase und der Energieverbrauch ermittelt und dargestellt. Aus einer Sammlung von Beispielen können direkt eigene Massnahmen abgeleitet werden. Werden die Fahrleistungen über mehrere Perioden erfasst, kann die geforderte fortlaufende Verbesserung in Berichten dargestellt werden. Zusätzlich steht in mobiplan.ch eine umfassende (Audit-)Checkliste mit zahlreichen Kommentaren und Hinweisen zur Verfügung, welche den Aufbau und die Bewertung eines Mobilitätsmanagementsystems unterstützt.

Wirkungen von Mobilitätsmanagementsystemen
Die Wirkungen des Programms MMU wurden in verschiedenen Studien untersucht. Die ausgewiesenen durchschnittlichen Kosten von CHF 300 pro reduzierter Tonne CO2 wirken hoch. Mit der Anwendung der SNR für Mobilitätsmanagementsysteme und mobiplan.ch, als internetbasierte Umsetzungshilfe, wird die Wirksamkeit und die Effizienz von Mobilitätsmanagementsystemen gesteigert.

Autor: Gabriel Caduff, Leiter der Arbeitsgruppe SNR 155000:2016 Mobilitätsmanagementsysteme, Mitinhaber der Tensor Consulting AG, Konzeption von mobiplan.ch

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Marcel Schulze, E-Mail: marcel.schulzesnv.ch, Tel.: +41 52 224 54 24

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Auf Deutsch bereits heute erhältlich:
SNR 155000:2016

Auf Französisch vorbestellbar:
SNR 155000:2016

Nicht verpassen:
Am Mittwoch, 23. November 2016 findet der Mobilitätssalon in Solothurn statt.
Bereits zum fünften Mal bietet dieser Fachkongress Einblick in neue Erkenntnisse und ihre Umsetzung in der Praxis. Dabei spielt der Erfahrungsaustausch zwischen Fachleuten aus Gemeinden und Wirtschaft eine zentrale Rolle.

Der Fokus der diesjährigen Tagung liegt auf dem Thema «Mobilitätsmanagement: Neue Instrumente und Plattformen für eine effiziente und innovative Mobilität».

Sonderthema ist das automatisierte Fahren und dessen Bedeutung für Gemeinden und Unternehmen. Die neue SNR 15500:2016 Mobilitätsmanagement wird zusammen mit dem Instrument mobiplan.ch in einer speziellen Fokusgruppe vorgestellt und die Umsetzung anhand von konkreten Firmenbeispielen aufgezeigt.

Infos zum Programm und Anmeldung direkt auf: www.mobilsalon.ch