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Neue Benchmark für den letzten Weg

Alternative Bestattungsformen, Online-Anbieter und zunehmender Kostendruck haben dazu geführt, dass der Europäische Standard für Bestattungsdienstleistungen komplett überarbeitet wird.







Nichts ist so sicher wie der Tod. Stimmt nicht. Denn auf dem Weg vom Sterbebett zum Grab gilt es, jede Menge Massnahmen zu ergreifen, damit die irdischen Gesetze und Sicherheitsbestimmungen ebenso wie die religiösen Vorschriften eingehalten und gleichzeitig die individuellen Wünsche von Verstorbenen und Angehörigen berücksichtigt werden.

Für das Bestattungsgewerbe kein einfaches Unterfangen. Als Orientierungshilfe für die zigtausend Bestattungsunternehmen Europas und zur Wahrung von Transparenz und Qualität der Dienstleistung für die Auftraggeber wurde die SN EN 15017 entwickelt, die 2006 erschienen ist. Dieser Europäische Standard legt die Anforderungen an Bestattungsdienstleistungen fest. Dazu zählen u.a. Transport und Versorgung des Leichnams, Einbalsamierung, Wiederherstellungskosmetik, Hygienemassnahmen, Beratung und Betreuung der Angehörigen sowie die gesamte Durchführung der Bestattung (Aufbahrung, Feierlichkeiten, Graböffnung und -schliessung etc.).

Evaluierung der Standards
«Standards geben dem Bestatter Rechtssicherheit und Schutz vor Wettbewerbsverzerrungen. Auf Kundenseite bilden Standards eine verlässliche Benchmark für einen qualitäts- und würdevollen Abschied», erklärt Dr. Anette Altenpohl-Steurer, zuständige Komitee-Managerin bei Austrian Standards. «In den vergangenen zehn Jahren hat sich in der Bestattungsbranche vieles verändert, darum wurde nun begonnen, die Norm zu überarbeiten», so Altenpohl-Steurer.

Alternative Bestattungsformen wie Urnen-, See- und Waldbestattungen boomen, aber auch zunehmender Kostendruck durch Online-Anbieter von Bestattungsdienstleistungen stellen die Branche vor neue Herausforderungen. «Höchste Zeit für eine Anpassung und Weiterentwicklung der bestehenden Standards», so das Credo aus der Branche.

Als zentrale Punkte, die bei der Überarbeitung der EN 15017 anstehen, führt Dr. Markus Pinter, Geschäftsführer der B&F Wien - Bestattung und Friedhöfe GmbH und Vorsitzender des zuständigen Komitees, folgende Themen an: Überführung von Leichnamen, Kremation und alternative Bestattungsformen, Aus- und Weiterbildung von Bestattern sowie die Digitalisierung im Bestattungswesen.

Keine einheitlichen Regelungen für grenzüberschreitende Überführung von Leichnamen
Durch die zunehmende Mobilität der Menschen stehen vermehrt grenzüberschreitende Überstellungen von Leichnamen auf der Tagesordnung. Eine einheitliche europäische Regelung zur Überführung von Verstorbenen in ein anderes Land gibt es bis dato nicht. Zwischenstaatliche Übereinkommen sind in der Nachkriegszeit entstanden und sind veraltet.

«Ansonsten gelten in jedem Land andere Bestimmungen, was die Arbeit für die Bestatter verkompliziert und zu Wettbewerbsverzerrungen führt. Hier könnten zeitgemässe einheitliche Standards Abhilfe schaffen. Überführungen sollen doch für alle machbar und leistbar bleiben», so Pinter.

Trend zu Kremation und alternativen Bestattungsformen wächst
Immer mehr Menschen wünschen eine Feuerbestattung. Damit steigt auch die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen der Urnen. Der derzeit vorliegende Standard enthält zwar bereits Anforderungen an Kremationsbetriebe - diese sind jedoch sehr allgemein gehalten und gehen nicht auf die neuen alternativen Formen der See- oder Naturbestattungen ein.

Augenmerk auf Aus- und Weiterbildung von Bestattern
«Bestattung ist eine sehr sensible geschäftliche Dienstleistung», erklärt Pinter. «Die Kunden, in den meisten Fällen sind das Angehörige, befinden sich in einem emotional stark belasteten Zustand, oft fehlt der klare, kritische Blick auf die angebotenen Dienstleistungen und die damit verbundenen Kosten. Umso wichtiger ist die Beratung und Durchführung durch geschultes Personal. Qualität in der Beratung kann nur durch gezielte Ausbildung gewährleistet sein, darum werden wir uns dafür einsetzen, dass auch einheitliche Ausbildungskriterien in den Standard aufgenommen werden», so Pinter weiter.

Um als Bestatter arbeiten zu können, braucht es in der Schweiz keine Befähigungsprüfung, während in anderen Ländern oftmals Berufsvoraussetzungen gelten. «Im europäischen Standard haben wir die Chance, Mindestausbildungsanforderungen festzulegen. Das wird ein wichtiger Teil in der zukünftigen Entwicklung von Standards sein und eine grosse Chance für die gesamte Branche in Richtung Zertifizierung oder Gütesiegel», resümiert der Geschäftsführer der Bestattung & Friedhöfe Wien.

Online-Bestatter - schnell und preiswert?
Im Zeitalter der Digitalisierung muss alles schnell gehen, unkompliziert, zeitsparend und möglichst billig sein. Im Internet finden sich bereits viele Anbieter von preisgünstigen Beisetzungen, die bequem vom Schreibtischsessel aus beauftragt werden können. «Im Prinzip ist nichts dagegen einzuwenden, Begräbnisse online zu beauftragen», sagt Pinter. Doch bei sehr günstigen Angeboten von Bestattungen sei Vorsicht geboten.

«Viele Online-Bestatter existieren nur als Vermittlungs-Plattform. Sie vermitteln den Auftrag an Unternehmen, die man als Kunde nie zu Gesicht bekommt, Beratung ist nicht vorhanden, Qualität und Durchführung der Dienstleistung intransparent. Es gibt bereits Diskussionen darüber, den Standard um Anforderungen an Online-Anbieter zu erweitern», verrät Pinter Details aus der Komitee-Arbeit.

Die Überarbeitung des Standards werde ca. zwei Jahre dauern, vermutet der Experte.

Ihre Ansprechpartnerin für weitere Informationen:
Barbara Guder, E-Mail: barbara.gudersnv.ch, Tel.: +41 52 224 54 14

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SN EN 15017:2006 (in deutscher, französischer und englischer Sprache)