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Neue Normen in der Pipeline: ein grosser Schritt nach vorn für die Kakaobranche

In den letzten paar Jahren hat die Nachfrage nach Kakao und Schokolade zugenommen. Dementsprechend wird es immer dringlicher, sich der Herausforderungen anzunehmen, denen Kakaobauern und ihre Familien gegenüberstehen, wenn sie ihren Lebensunterhalt verbessern möchten. Eine neue Normenreihe, die aktuell erarbeitet wird und den Kakaobauern zu nachhaltigem Anbau verhelfen soll, ist unlängst in eine entscheidende Phase getreten.

Es gibt weltweit etwa 14 Millionen Bauern und Landarbeiter, die vorwiegend den Bedarf von Kakaokonsumenten in den Industrienationen befriedigen. All diese Menschen, im Normalfall Kleinbauern, leben in Ländern in Äquatornähe. Der Kakaoanbau ist arbeitsintensiv, wirft aber häufig nicht viel Ertrag ab, weshalb die Bauern kaum davon leben können.

Es gibt verschiedene Initiativen, die darauf ausgelegt sind, diesen Bauern zur Nachhaltigkeit zu verhelfen, und viele Akteure der Kakaobranche sind bereit, in den kommenden Jahren mehr nachhaltigen Kakao zu verwenden. Deshalb besteht ein Bedarf an harmonisierten Bemühungen, einheitlichen Verfahren und einem Konsens darüber, was Nachhaltigkeit in dieser Branche wirklich bedeuten soll, wenn man ein gemeinsames Verständnis fördern und gleichwertige Voraussetzungen für alle Beteiligten schaffen will.

Die Normenreihe ISO 34101 «Sustainable and traceable cocoa beans» soll die Anforderungen an ein Managementsystem für den Anbau von Kakaobohnen festschreiben und dadurch die Produktion nachhaltiger machen. Sie enthält einen dynamischen und auf einem schrittweisen Vorgehen beruhenden Entwicklungsplan für landwirtschaftliche Betriebe. Die ersten drei Teile dieser Normenreihe befinden sich nun im Stadium des internationalen Entwurfs (DISDIS
Draft International Standard
) oder einer öffentlichen Konsultation, was bedeutet, dass sämtliche interessierten Parteien eine Stellungnahme zu den Entwürfen einreichen können, die noch vor der geplanten Veröffentlichung im Jahr 2017 berücksichtigt wird.

Diese Normenreihe ist für alle Akteure der Kakaowertschöpfungskette – von den Kakaobauern über die Abnehmer bis zu anderen in dieser Branche tätigen Organisationen – gedacht und soll zur Anwendung von bewährten landwirtschaftlichen Praktiken führen, zum Umweltschutz beitragen und die Lebensbedingungen der Bauern verbessern. Letztlich geht es darum, den Anbau von Kakao für jüngere Generationen attraktiver zu machen, was besonders deshalb wichtig ist, weil das Durchschnittsalter der Kakaobauern in den bedeutendsten Anbauregionen in den letzten Jahrzehnten rasant angestiegen ist.

Die Erarbeitung dieser Normenreihe ist ein Gemeinschaftsprojekt des Europäischen Komitees für Normung (CENCEN
Europäisches Komitee für Normung
) und der ISOISO
International Organization for Standardization
. Daran beteiligt sind die Technischen Komitees CENCEN
Europäisches Komitee für Normung
/TCTC
Technical Committee
415 für nachhaltigen und rückverfolgbaren Kakao unter Sekretariatsführung durch das dänische ISO-Mitglied DS und ISOISO
International Organization for Standardization
/TCTC
Technical Committee
34/SCSC
Subcommittee
18 für Kakao unter gemeinsamer Sekretariatsführung durch die ISO-Mitglieder der Côte d‘Ivoire (CODINORM), Ghanas (GSA) und der Niederlande (NEN).

Gemäss Jack Steijn, dem Vorsitzenden beider Komitees, soll die neue Normenreihe weltweit die Professionalität im Kakaoanbau fördern.

«Die Anwendung dieser Normenreihe wird sich sehr positiv auf den Lebensunterhalt der Kakaobauern und ihrer Familien auswirken, weil sie den Bauern dazu verhilft, ihren Betrieb wirtschaftlich tragfähig zu machen.»

Edouard Kouassi N’Guessan, der Vizevorsitzende des ISOISO
International Organization for Standardization
/TCTC
Technical Committee
34/SCSC
Subcommittee
18, betont: «Kakaobauern und -konsumenten sollten sich auf eine gemeinsame Definition des Begriffs nachhaltige Kakaobohnen einigen, damit die Bauern die Möglichkeit haben, den Erwartungen gerecht zu werden.»

Die Normenentwürfe wurden im Rahmen eines Multistakeholder-Prozesses erarbeitet, zu dem bedeutende Akteure der Kakaowertschöpfungskette beigetragen haben. Federführend waren ISO-Mitglieder aus kakaoproduzierenden und –konsumierenden Ländern, während wichtige internationale Organisation wie CAOBISCO, die European Cocoa Association (ECA), der Europäischer Verband der Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Tourismusgewerkschaften (EFFAT), die Federation of Cocoa Commerce (FCC), die International CoCoa Farmers Organization (ICCFO), die International Cocoa Initiative (ICI), die ISEAL Alliance, die Solidaridad Network Foundation und die World Cocoa Foundation (WCF) ihre Unterstützung angeboten haben.

Verschiedenste Organisationen und Regierungsstellen, insbesondere das dänische Aussenministerium, haben den Prozess unterstützt und eine aktive Beteiligung der kakaoproduzierenden Länder an der Erarbeitung der Entwürfe möglich gemacht, um ihnen dabei behilflich zu sein, neue Managementgrundsätze zu übernehmen und einfacheren Zugang zum internationalen Markt zu bekommen.

Die endgültige Fassung der Normen soll gemäss Planung Ende 2017 veröffentlicht werden.

Quelle: ISO News, 2016

Ihre Ansprechpartnerin für weitere Informationen:
Birgit Kupferschmid, E-Mail: birgit.kupferschmid@snv.ch, Tel.: +41 52 224 54 18

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