27.04.2020 // Allgemeine News

SNV-Firmenseminare optimal nutzen

Endress+Hauser Flowtec AG macht es vor

Weit mehr als 100 Mitarbeitende werden bei Endress+Hauser Flowtec AG mit der neuen technischen Sprache ISO-GPS zu tun haben, die in der Industrie 4.0 eine wichtige Rolle spielt. Ivo Brägger, Teamleiter Berufsbildung Konstruktion, initiierte deshalb im Unternehmen ein mehrstufiges Weiterbildungsprojekt. Er zog dafür Experten der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) bei.

Susanne Brenner, freie Wissenschaftsjournalistin, hat bei Ivo Brägger nachgefragt, was die Erfolgsfaktoren dieser Firmenseminare sind.

Susanne Brenner: Was war die Initialzündung für das umfassende Weiterbildungsprojekt?
Ivo Brägger: Als unsere Lernenden aus dem Bereich Konstruktion vor vier Jahren erstmals das ISO-GPS-Normensystem (* ) im Unterricht behandelten und zwei Jahre später dazu geprüft wurden, ist mir richtig bewusst worden, dass diese neue Sprache – wie ich diese Geometrischen Produktspezifikationen (GPS) gern bezeichne – das ganze Unternehmen in eine neue Ära führen wird. Im Gegensatz zu den Lernenden kannten aber unsere langjährigen Mitarbeitenden ISO-GPS noch kaum.

Also organisierten Sie eine Weiterbildung für alle Konstrukteure im Unternehmen?
Ja, zuerst dachten wir nur an die Konstrukteure. Aber bald wurde klar, dass viele der übrigen Mitarbeitenden diese Sprache ebenfalls kennen und verstehen müssen. Betroffen sind Fachfunktionen wie Qualität, Produktengineering, Messtechnik, Produktion und die Beschaffung sowie unsere Zulieferfirmen, die ISO-GPS in ihren Unternehmen etablieren müssen.

Revolutioniert ISO-GPS die ganze Branche?
Die Veränderungen sind tatsächlich tiefgreifend. Im Betrieb erfordern sie, dass Ressourcen verfügbar und die Mitarbeitenden bereit sind, sich auf Neues einzulassen.

Inwiefern lohnt sich dieser Aufwand?
Das neue System bringt eine Vereinfachung in der Zusammenarbeit. Es führt dazu, dass es weniger Zwischenschritte und damit auch weniger Fehlerquellen gibt und dass digitale Unterlagen andernorts direkt eingelesen und verarbeitet werden können. Wir reden hier konkret von Industrie 4.0 – und ISO-GPS liefert dazu die Grundlagen. Entsprechend ist diese Umstellung für unser Unternehmen, das mit Zulieferern aus aller Welt zusammenarbeitet, eine wichtige Investition für die Zukunft.

Beginnen wir von vorne. Wie sind Sie ein so umfassendes Weiterbildungsprojekt angegangen?
Das Erste und wohl Wichtigste war, die Entscheidungsträger für die Umsetzung der ISO-GPS-Normen zu gewinnen und vom Management die Rückendeckung für ein entsprechendes Weiterbildungsprogramm zu erhalten. Das gelang mit einem Schulungskonzept, das ich als Verantwortlicher für die Berufsbildung erstellt habe. Das Konzept skizzierte ein mehrstufiges Projekt, das über einen längeren Zeitraum durchgeführt und als Projekt gemanagt wird. In der ersten Phase absolvierten die über 100 Mitarbeitenden eine Basis- und eine Aufbauschulung. In der zweiten Phase sind abteilungsübergreifende Workshops geplant, die spezifisch auf die Bedürfnisse der Abteilungen und deren Aufgaben ausgerichtet sind.

Wie kommen Sie zum nötigen Know-how?
Das Weiterbildungskonzept und die Projektstruktur haben wir selbst entwickelt. Wir brauchten jedoch Experten, die das komplexe ISO-GPS-Normensystem gut kennen und damit bereits Erfahrung gesammelt haben. Wir haben uns für den Beizug von Experten der SNV entschieden, da diese als nationale Normenorganisation spezialisiert ist auf Normenentwicklung. Die Person, die ISO-GPS wohl am fundiertesten kennt, ist Prof. Dr. Ing. Läpple, der die Normenentstehung begleitet hat. In einem ersten Schritt vermittelte er uns einen umfassenden theoretischen Einblick. Sein Vortrag hat uns verdeutlicht, wie notwendig Firmenseminare sind, die spezifisch auf das jeweilige Unternehmen ausgerichtet sind. Denn unsere Mitarbeitenden müssen das Regelwerk in die Praxis umsetzen können.

Mussten Sie alles neu entwickeln?
Ja und nein. Wir konnten davon profitieren, dass die Experten der SNV bereits in anderen Unternehmen die Einführung von GPS begleitet haben – ein Beizug von Fachpersonen ist wirklich zu empfehlen. In unserem Weiterbildungsprojekt spielen sie auch in den nächsten Projektphasen eine wichtige Rolle. Denn sie schöpfen aus ihrer Erfahrung und unterstützen uns so, dass wir die auf unsere Bedürfnisse zugeschnittenen Lösungen einfacher und schneller finden können.

Was ist der Vorteil von betriebsinternen Weiterbildungen unter Beizug von externen Experten?
Eins muss man verstehen: Wenn so etwas grundlegend Neues eingeführt wird, sind die Unsicherheiten gross. Experten können anhand von Beispielen aus anderen Unternehmen unseren Mitarbeitenden, die vielleicht erstmals mit dem Thema konfrontiert sind, den Nutzen dieser Neuerungen aufzeigen. Weiter können die Inhalte und Vermittlungsmethoden für die Workshops so gewählt werden, dass sie optimal auf die Zielgruppen zugeschnitten sind – und sie können je nachdem auch online durchgeführt werden. Diese Flexibilität ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je, und die Experten der SNV bieten uns diese professionelle Unterstützung in allen Teilphasen unseres Projekts. Gerade am Anfang kann es in der Anwendung immer wieder Unsicherheiten geben: Mache ich es richtig? Wen kann ich fragen? Hier setzen die fachspezifischen Workshops an, in denen den SNV-Experten ganz konkrete Fragen gestellt werden können. Es geht um Details, die unsere Fachpersonen wissen müssen. Das wird zusammen diskutiert, und es werden spezifische Lösungen erarbeitet. Der externe Blick hilft auch, einer gewissen Betriebsblindheit entgegenzuwirken, und Entscheide können dadurch in einen grösseren Zusammenhang gestellt werden.

Besten Dank, Herr Brägger, dass Sie uns Rede und Antwort gestanden sind.

(* ) Das ISO-GPS-Normensystem (GPS = Geometrische Produktspezifikation) ist ein komplexes Normenwerk. Ziel ist, dass geometrische Merkmale wie z. B. Grössenmass, Form, Richtung, Ort oder Lauf in technischen Spezifikationen vollständig und eindeutig beschrieben werden können. Das Normenwerk umfasst auch Regeln für einen eindeutigen Nachweis der Konformität des gefertigten Produkts mit den spezifizierten Anforderungen (Verifikation). Dies schliesst die zugehörigen Messmittel, die Kalibrierverfahren für diese Messmittel sowie die Messunsicherheit mit ein.)

Ivo Brägger, seit 1996 bei Endress+Hauser Flowtec AG, ist diplomierter Techniker HF Maschinenbau und diplomierter Berufsbildner Konstrukteur. Er arbeitet In der Fachabteilung Forschung, Entwicklung und Konstruktion (FEK) und ist verantwortlich für die Ausbildung der vier lernenden Konstrukteure.

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