25.04.2022 // Allgemeine News

Technologietransfer – Forschungsergebnisse durch Normen nutzbar machen

Wie Normen und Innovationen die Basis für wirtschaftlichen Erfolg bilden

von Barbara Guder

Die Menschen erwarten von der Wissenschaft, dass sie den Übergang zu einer grüneren und gerechteren Gesellschaft vorantreibt und unterstützt. Forschung und Innovation spielen bei der Transformation eine entscheidende Rolle, aber nur wenn es gelingt, die Daten und Forschungsergebnisse schnell verfügbar zu machen und praktisch zu nutzen. Zudem sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse in nachhaltige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen umgewandelt werden, die einen wirtschaftlichen Wert darstellen und der Gesellschaft zugutekommen. Der Technologietransfer wird als ein wesentlicher Bestandteil des technologischen Innovationsprozesses angesehen. Normen sind ein bedeutsames Instrument für die optimale Nutzung von Forschungsergebnissen und eine wichtige Voraussetzung für die Diffusion neuer Technologien im Markt.

Die Rolle von Normen im Innovationsprozess
Normung und Innovation werden oft als unvereinbar dargestellt: Normen würden Innovation blockieren. Tatsächlich aber können Normen und Innovationen Hand in Hand gehen und gemeinsam die Basis für einen wirtschaftlichen Erfolg bilden. Im Innovationsprozess werden Normen relevanter, je reifer eine neue Technologie wird, das heisst, umso höher ihr Technologiereifegrad (engl. TL = Technology Readiness Level) wird. Betrachtet man den «Hype Cycle» von Gartner (*1) kann man sagen: Normen werden wichtiger, wenn die neue Technologie den «Gipfel der überzogenen Erwartungen» und das «Tal der Enttäuschungen» durchschritten hat und sich auf dem «Weg der Erleuchtung» befindet. Die neue Technologie wird nun realistischer eingeschätzt: die Vorteile sind erkannt, ebenso die Grenzen, und der Nutzen wird immer besser verstanden. In dieser Phase können Normen dabei helfen, die Innovation zu vermarkten. Normen erleichtern die Skalierbarkeit und den Marktzugang, da sie Konsistenz ermöglichen, Interoperabilität gewährleisten und Vertrauen schaffen. Erreicht die neue Technologie das «Plateau der Produktivität», die fünfte Phase im «Hype Cycle», ist die Technologie definitiv im Markt angekommen.

Seit einigen Jahren zeigt sich in der internationalen Normung ein neuer Trend: Die Normung steigt immer früher in den Innovationszyklus ein. Die ersten Normen werden bereits entwickelt, wenn die neue Technologie noch ganz am Anfang steht und erst einen niedrigen Technologiereifegrad (TRL) erreicht hat. Aktuelle Beispiele dafür sind die Themen: Blockchain oder Künstliche Intelligenz (KI).

Normen decken mittlerweile den gesamten Innovationszyklus ab und unterstützen in allen Phasen der Innovation:

  • Wissensentwicklung
    Grundlagenforschung: Semantische Normen erleichtern die effiziente Kommunikation in der Grundlagenforschung
  • Technologieentwicklung
    Angewandte Forschung: Mess- und Prüfnormen ermöglichen Fortschritte bei ersten produktbezogenen Entwicklungen
    Experimentelle Entwicklung: Schnittstellennormen ermöglichen die Interoperabilität von Komponenten, welche in die Produkt- oder Prozesstechnik integriert werden
  • Geschäftsentwicklung
    Markteinführung und Vermarktung: Produkt- und dienstleistungsspezifische Normen definieren die Merkmale eines Produkts / einer Dienstleistung und ihre Leistungsschwellen (wie Qualität und Sicherheit)

Als innovationsfördernd kann auch die Beteiligung am Normungsprozess gesehen werden. Organisationen, die an der Ausarbeitung einer Norm mitwirken, haben einen «First-Mover-Vorteil» gegenüber Organisationen, die von der Norm erst nach ihrer Veröffentlichung erfahren. Durch die Teilnahme an Normungsaktivitäten, bleiben Sie informiert über die laufenden Markt-, Technologie- und Politikänderungen in Ihrer Branche. Das Wissen darüber unterstützt Sie beim Markteintritt ihrer Innovation und trägt zur Interoperabilität bei.

Patente und Normen
Ein Patent ist ein ausschliessliches Recht, das zum Schutz von Erfindungen (Produkten oder Verfahren) erteilt wird, die eine neue technische Lösung bieten oder eine neue Art, etwas zu tun, ermöglichen. Die Patentinhaberin sowie der Patentinhaber geniessen das ausschliessliche Recht, Dritte für einen begrenzten Zeitraum an der kommerziellen Nutzung der Erfindung zu hindern. Während Patente also darauf abzielen, eine Erfindung für einen bestimmten Zeitraum zum Eigentum der Erfinderin oder des Erfinders zu machen, hat die Normung zum Ziel, Ideen als gemeinsames Wissen in den öffentlichen Bereich zu bringen. Dementsprechend kann der Glaube bestehen, dass Normen und Patente im Widerspruch zueinanderstehen, obwohl sie eng miteinander verbunden sein können. Normen werden in der Regel in Bezug auf die zu erreichenden Ergebnisse oder Leistungsanforderungen formuliert und nicht in Bezug auf technische Lösungen oder Konstruktionsdetails. Eine patentierte Technologie ist dann nur ein möglicher Ansatz, um die Anforderungen einer Norm zu erfüllen. Die Technologieoffenheit bleibt gewahrt und die Verwendung alternativer Technologien ist möglich. Was aber ist mit den sogenannten «standardessenziellen Patenten», das heisst den Patenten, welche für die Umsetzung einer Norm notwendig sind, und bei denen die Nutzung der patentierten Erfindung zwangsläufig eine Verletzung des Patents durch die Umsetzerin oder den Umsetzer der Norm bedeuten würde? Für diesen Fall sieht die Patentpolitik der internationalen Normungsorganisationen eine Lizenzierungslösung vor. Dabei gilt es für die Erfinderinnen und den Erfinder zu beachten: Melden Sie Ihr Patent an, bevor Sie Ihre Erfindung in die Normung einbringen! Erfahren Sie mehr zum Thema.

Quellen:
(*1) Der «Hype Cycle » von Gartner bietet eine grafische Darstellung des Reifegrads und der Akzeptanz von Technologien und Anwendungen sowie ihrer potenziellen Relevanz für die Lösung echter Geschäftsprobleme und die Nutzung neuer Chancen. Er gliedert sich in die fünf wichtigsten Phasen des Lebenszyklus einer Technologie.
EU valorisation policy
CEN-CENELEC GUIDE 39 «The role of standards in support of Technology Transfer»
CEN-CENELEC GUIDE 39 | Fact Sheet
Types of standards and TRLs

Ihre Ansprechpartnerin für weitere Informationen:
Barbara Guder, , Tel: +41 52 224 54 14

Ihr Mitwirken ist gefragt!
Möchten Sie bei der internationalen Entwicklung von Normen mitwirken? Durch die Teilnahme in den nationalen Normenkomitees der SNV bringen Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen, dank einem Informationsvorsprung gegenüber Mitbewerberinnen und Mitbewerbern, schneller auf den Markt. Als Komitee-Mitglied treffen Sie andere nationale Branchenexpertinnen und -experten und können neue Normenentwürfe mit diesen diskutieren. Zudem haben Sie die Möglichkeit, internationale Kontakte zu knüpfen.

Weitere Vorteile einer SNV-Mitgliedschaft: Mehr erfahren!

Ihre Ansprechpartnerin für eine SNV-Mitgliedschaft:
Birgit Kupferschmid, , Tel: +41 52 224 54 18

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