SNV-Story #1: Mammut Sports Group AG

Bergsportler sind eine grosse Familie – am Berg und in der Normung

Die Erfolgsgeschichte von Mammut beginnt vor mehr als 155 Jahren im Aargau, als Kaspar Tanner die Seilwarenfabrik Lenzburg gründete und als erstes die Landwirtschaft belieferte. Die heutigen Bergseile aus hochwertigen Materialien haben mit den damaligen Hanfgarnen allerdings nicht mehr viel gemeinsam. Mammut bietet heute nebst Seilen weitere Ausrüstungsgegenstände, Schuhe und Bekleidung an. Die weltweit beliebte Marke produziert nach internationalen Standards. Als langjähriger Partner der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) nimmt Mammut auch aktiv an der Normungsarbeit teil.

Bildquelle: Mammut Sports Group AG

Vom kleinen Seon aus Berge versetzen
Die Gemeinde zählt gut 5000 Einwohner/-innen und beherbergt eine Schweizer Firmenperle, die jedes Jahr zwei Kollektionen an erstklassigen Outdoor-Artikeln für «Bergfans» auf den Markt bringt und dabei in zwei Produktkategorien sogar zu den Weltmarktführern gehört: Bergseile und Lawinenausrüstung. Produziert werden die Seile heute in Tschechien, auf Herz und Nieren geprüft werden sie weiterhin am Hauptsitz in Seon. Die Schweizer Premiummarke stellt sich dabei selbst hohe Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards. Mammut hat schon lange erkannt, dass Normung eine strategisch relevante Chefsache und nicht eine Aufwandsposition in der Erfolgsrechnung ist.

Normen als Erfolgsfaktor
Produktentwicklung findet nicht immer präzise nach Lehrbuch statt. «Normen bringen uns Ordnung in das kreative Chaos. Dank der Normen wissen wir, in welchem Korridor wir uns bewegen können und dürfen. Sie geben uns die gleiche Sicherheit wie dem Bergsteiger das Seil», sagt André von Rotz, der seit beinahe zehn Jahren als Ingenieur und passionierter Bergsteiger zur Mammut-Familie gehört und heute «Teamleader Product Risk and Safety, Quality Management and Stewardship» ist.

Im Zusammenspiel zwischen Normen und Produktentwicklung ist es entscheidend, ob es sich um eine Produktverbesserung oder um eine Innovation handelt. Bei letzterem startet man von der grünen Wiese und definiert die Normen parallel zum Produkt mit. Das spart Zeit und schränkt nicht ein. Bei einer Produktoptimierung, die in eine bestehende Norm fällt, kann diese zum engeren Korsett werden und für Zeitverzögerung sorgen. Passen die alten Normen nicht exakt auf die entwickelten Neuheiten, wird ein Sicherheitslabel nicht vergeben. So kann es zu der paradoxen Situation kommen, dass man zwar ein lebensrettendes Produkt parat hat, das aber noch nicht verkauft werden darf. Als Beispiel nennt André von Rotz ein neuartiges Bergseil mit hervorragender Scharfkantenfestigkeit, das nur darauf wartet, den Markt zu erobern und Bergsteigern Leben zu retten. Mammut und die Mitbewerber mit einem ähnlichen Produkt sind allerdings optimistisch, dass die Norm demnächst angepasst wird und auch die neuen Produkteigenschaften einschliessen. Ein Grund mehr, wieso Mammut es bevorzugt, über die Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) Normen mitzubestimmen als von anderen beeinflusst zu werden.

Im Testlabor werden täglich meterweise Bergseile zerstört, um allfällige Schwächen oder Normenabweichungen auszuschliessen. (Quelle: Mammut Sports Group AG)

Wer sicher hoch hinaus will, braucht mehr als Normen
Mammut stützt sich nicht nur auf die strengen Europäischen Normen, sondern stellt sich darüber hinaus noch weiteren Anforderungen. Die klassische Normenprüfung im Labor basiert zum grössten Teil auf Einzelkriterien wie beispielsweise der Reissfestigkeit. Mammut geht einen Schritt weiter und prüft die Artikel zusätzlich auf Praktikabilität draussen in der Natur. So leidet ein Seil bei einer Klettertour, wenn es beispielsweise an einer Südwand stundenlang starken UV-Strahlen ausgesetzt ist. Bei extremer Kälte wiederum darf es keine Funktionseinschränkung aufweisen und muss bei einem drohenden Absturz doch von null auf hundert optimalen Schutz bieten. Mammut führt nebst den akribischen Labortests deshalb für jede neue Kollektion im Freien zwei Testtage durch. Dafür gibt es allerdings nicht den Mammut-Berg, sondern je nach Testausgestaltung das passende Gelände, das immer wieder von neuem ausgekundschaftet wird. Die Praxistage führt Mammut gemeinsam mit Athleten und Lead-Usern durch. Mammut hat sich auch zum Ziel gesetzt, Fehlanwendungen von weniger erfahrenen Nutzern zu antizipieren und so unnötige Abstürze zu vermeiden. Der Schutz der Bergsteigerin und des Bergsteigers ist nicht nur eine leere Floskel in einem Strategiepapier, sondern täglich gelebte Berufung.

Sicherheit am Berg ist ein globales Thema
André von Rotz ist Mammutvertreter und SNV- Experte im Normen-Komitee «CEN/TC 136/WG 5 Mountaineering and climbing equipment». Diese Arbeitsgruppe entstand In den 90er Jahren unter der Führung des CEN (European Committee for Standardization).

Die Entwicklung der Normen für den Bergsport sind eng mit der Geschichte des Alpinismus verbunden. Bereits 1864 definiert «The Alpine Club» in Grossbritannien die erste Norm für Bergsteigerseile. 1932 übernimmt dann UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme/Internationaler Bergsteiger- und Kletterverband) die Normungsverantwortung. Aktuell gibt es über 2000 UIAA-Sicherheitslabels für mehr als 70 Hersteller.

Der Hochgebirgsführer Denis Pivot leitet heute diese Arbeitsgruppe mit 54 Expertinnen und Experten aus zwölf Ländern. (Quelle: cen.eu/Climb mountains safely, thanks to EN 893:2019!) Jährlich findet eine Konferenz für den internationalen Meinungsaustausch und die Weiterentwicklung der Normen statt. Man trifft sich zwar nicht direkt auf dem Berg, aber häufig am Berg, denn oft werden nach der kopflastigen Arbeit noch gemeinsame Klettertouren durchgeführt. Für alle in der Normung tätigen Expertinnen und Experten ist auffällig, wie kollegial es in dieser Arbeitsgruppe zugeht und wie respektvoll Mitbewerber hier miteinander umgehen. Es ist zu spüren, dass man sich einem höheren Ziel verschrieben hat und nicht nur Bürokratiesport betreibt. Jede getroffene Entscheidung könnte eines Tages sogar das Leben eines Mitentscheiders oder seiner Freunde retten.

Das Leben kann sprichwörtlich an einem Seil hängen
Werfen wir nochmals einen letzten Blick ins Mammut Testlabor. Pro Tag testen hier Fachleute kilometerweise Bergseile, mit unendlicher Neugierde und anhaltender Begeisterung. Mammut ist modern ausgerüstet und eines der Schmuckstücke ist der sogenannte «Drop-Tower», eine über mehrere Stockwerke hinweg eingerichtete Sturzanlage. Eine 80 Kilogramm schwere Fallmasse simuliert einen Bergsteiger, mit dem geprüft wird, ob das Bergseil auch bei einem Sturz aus fünf Metern Höhe den notwendigen Schutz bietet. Doch ein Test ist kein Test. Wiederholungen sind ein wichtiges Element im Testlabor. Fingierte Metallfinger übernehmen beispielsweise diese Arbeit beim Karabiner-Dauertest und drücken Tausende Male gegen den beweglichen Verschlussarm. Da die meisten Mammut-Mitarbeitenden selbst im Gebirge unterwegs sind, wissen sie von der Wichtigkeit einer einwandfreien Funktion. Zur Erfüllung der Normen gehört auch die lückenlose und systematische Dokumentation aller Versuche.

Der «Drop-Tower» simuliert den Absturz eines 80 Kilogramm schweren Bergsteigers. (Quelle: Mammut Sports Group AG)

Hobby, Beruf, Leidenschaft und Verpflichtung
Augenfällig ist, dass bei Mammut viele Mitarbeitende ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und die Grenzen zwischen Vorgesetzten und Kletterfreunden verschwimmen. «Während meiner langjährigen Arbeit bei Mammut habe ich bereits schon mit drei meiner Vorgesetzten in einer WG zusammengewohnt. Das sagt alles über unseren respektvollen und kollegialen Umgang», ergänzt André von Rotz. Mammut bietet flexible Arbeitsmodelle, damit der Ruf des Berges mit dem Ruf der Arbeit kombiniert werden kann. Die Mammut Bekleidung ist für die Mitarbeitenden keine Uniform, sondern Teil einer Lebensphilosophie – im Büro, am Berg und in der Freizeit. Stolz ist man aktuell besonders auf die Eigenkollektion Mammut Eiger Extreme, mit der auch Temperaturen bis zu -40 Grad kein Grund sind, nicht nach draussen zu gehen. Das grösste Ziel ist und bleibt jedoch der Schutz und die Motivation des Gleichgesinnten, nämlich des Bergsportlers.

«Swiss 1862»

Mammut ist ein 1862 gegründetes Schweizer Outdoor-Unternehmen, das Bergsportfans auf der ganzen Welt hochwertige Produkte und einzigartige Markenerlebnisse bietet. Seit mehr als 155 Jahren steht die weltweit führende Premium-Marke für Sicherheit und wegweisende Innovation. Mammut Produkte vereinen Funktionalität und Leistung mit zeitgemässem Design. Mit der Kombination aus Hartwaren, Schuhen und Bekleidung ist Mammut einer der komplettesten Anbieter im Outdoor-Markt. Die Mammut Sports Group AG ist in rund 40 Ländern tätig und beschäftigt rund 900 Mitarbeitende. (Quelle: Conzzeta)

André von Rotz

André von Rotz ist SNV- Experte im «CEN/TC 136/WG5 Mountaineering and Climbing Equipment». Seit beinahe zehn Jahren ist er der Mammut Sports Group AG treu und heute als «Teamleader Product Risk and Safety, Quality Management and Stewardship» für die Einhaltung der Normen verantwortlich. Er ist diplomierter Ingenieur für Maschinenbau, Patentmanager, PSA Sachverständiger und IRATA Rope Access Technician. In seiner Freizeit erklimmt er immer wieder neue Gipfel und engagiert sich unter anderem in diesen zwei Vereinen:

  • Vitamin Berg ermöglicht es Menschen mit geistiger Behinderung, die Schönheit des Bergsports zu erleben.
  • Der Verein Rebolting saniert bestehende Kletterrouten mit normierten Ausrüstungsgegenständen

André von Rotz

«Es ist zentral, dass wir im Normenkomitee exakte Arbeit leisten. Andernfalls leidet man später im Testlabor unter seinen eigenen Entschlüssen.»

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