SNV-Story #12: ein Dankeschön an unsere Mitglieder

Für eine wettbewerbsfähige Schweiz und einen reibungslosen Alltag

Ein Jahr. Elf SNV-Mitglieder. Eine bunte Mischung an Geschichten. Herzlichen Dank an all die SNV-Mitglieder, die uns dieses Jahr mit viel Engagement einen Blick hinter die Kulissen ihrer Firmen, Organisationen oder Projekte gewährt haben. Zum Abschluss der Serie haben wir mit Urs Fischer, CEO der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) und Leiter Mitgliedschaft, über die SNV-Mitgliedschaft gesprochen.

Urs Fischer, SNV-Geschäftsführer und Leiter Mitgliedschaft

SNV: Warum sind Normen wichtig?
Urs Fischer: Normen sind eine gemeinsame, universelle Sprache. Ihr Vokabular, sprich die Terminologie, ist dabei von essenzieller Bedeutung. So erstaunt es nicht, dass in Projekten teilweise Jahre an dieser gefeilt und perfektioniert wird, um das Endergebnis effektiv und praxisnah zu gestalten. Wer Normen in der Produktion, im Handel oder in der Dienstleistungserbringung anwendet, spart Zeit und somit auch Geld. Für die Konsumentin und den Konsumenten wiederum bedeuten Normen im Alltag Sicherheit und Bequemlichkeit, wenn unterschiedliche Systeme nahtlos zusammenarbeiten. Normen sind zudem «werteneutral» – sie besitzen keine politische, religiöse oder kulturelle Dimension. Normen bereichern unser Leben bewusst und noch häufiger unbewusst.

SNV: Was fasziniert Sie persönlich an der Normungsarbeit?
Urs Fischer: Die unendlichen Möglichkeiten und der Variantenreichtum. Diese Aspekte waren mir beim Amtsantritt nicht vollends bewusst. Heute sind sie Teil der Faszination, wieso mich mein Beruf auch nach 20 Jahren immer noch inspiriert und motiviert. Eine weitere Komponente ist die Internationalität. Als SNV haben wir nicht nur national, sondern auch europäisch und weltweit eine wichtige Stimme. Trotz all der Begeisterung für Normen freue ich mich darüber, dass nicht alle Dinge im Leben standardisiert sind. So gehört das Entdecken landestypischer oder regionaler Gerichte auf meinen Reisen rund um die Welt zu meinem Standardprogramm.

SNV: Sprechen wir über die SNV-Mitgliedschaft. Was sind herausragende Vorteile?
Urs Fischer: Zwei Stichworte: Netzwerk und Zeit. Mit der SNV-Mitgliedschaft haben Unternehmen und ihre nominierten Expertinnen und Experten zu einem fairen Preis Zugriff auf ein internationales Netzwerk, das die Crème de la Crème der Branche vereint. Mitbewerber treffen sich in der Normungsarbeit auf einer konstruktiveren Ebene als üblich. Es geht nicht um Rivalität, sondern um die Lösungsfindung. Der Wettbewerb tritt an die zweite Stelle, man findet sich in einer Interessengemeinschaft wieder, die ausserdem um einiges pragmatischer unterwegs ist als der Gesetzgeber. Hier arbeitet die Praxis für die Praxis. Dank der Mitarbeit gewinnen Unternehmen darüber hinaus wertvolle Zeit, die sich in einen Wettbewerbsvorteil ummünzen lässt. Obwohl Normen nicht zwingend anwendbar sind, bringt eine rechtzeitige Anpassung des eigenen Businessmodels, der Produktion oder Prozesse an zukünftige Marktumstände einen temporären Vorsprung mit sich. Diese tiefe Einsicht hat nur, wer sich an der Normungsarbeit beteiligt.

SNV: Erlaubt die Konstellation in den Gremien transparentes, ehrliches Zusammenarbeiten?
Urs Fischer: Als SNV haben wir den «Code of Conduct» der WTO unterschrieben. Dort wird unter anderem festgehalten, dass Normungsarbeit transparent und ohne versteckte Agenda durchgeführt wird. Dies überwachen wir im Rahmen der Möglichkeiten in den Gremien. Steht ein Verdacht im Raum, dass sich zwei Parteien gegen Dritte verbünden, kann das SNV-Mitglied von seinem Vetorecht Gebrauch machen. Die SNV ist diesbezüglich im Auftrag eines ihrer Mitglieder schon aktiv geworden und hat auf höchster Ebene verhindert, dass eine heimlich geschmiedete Allianz zwischen zwei Europäischen Ländern einen Schweizer Anbieter unfairerweise vom Markt gedrängt hätte.

SNV: Kann ein Mitglied neue Normen initiieren?
Urs Fischer: Jedes Mitglied kann neue Normen ins Leben rufen. Der erste Schritt dazu ist immer die Lancierung eines Projektes. Auch die SNV selbst engagiert sich für neue Normen. So ist beispielsweise das noch nicht standardisierte Cannabis auf unserem Radar aufgetaucht. Normen sollen helfen, dass angepriesene Produkte beispielsweise frei von Pestiziden sind. Heute können sie als Produzent beweislos behaupten, ihr Erzeugnis sei von reinster Qualität. Und viele nutzen diesen Aspekt unverfroren aus. Hanf wird in vier Bereichen eingesetzt: als Industriehanf, medizinischer Hanf, in Lebensmitteln und als sogenannter «recreational» Hanf mit einer berauschenden Wirkung. Bereits vor längerer Zeit haben wir verschiedene Interessengruppen für den Projektstart nach Bern geladen und wurden dabei von Demonstrierenden überrascht. Aktuell stecken wir noch im Bereich der Terminologie fest. Das Thema weist eine politische und gesellschaftliche Brisanz auf, die unsere Arbeit stark beeinflusst. Trotz der noch fehlenden konkreten Normen sind wir optimistisch, dass wir für Konsumentinnen und Konsumenten Positives bewirken werden. Mit Kanada und Holland besteht bereits eine engere Zusammenarbeit. Ein exemplarisches Beispiel dafür, wie abwechslungsreiche Normungsarbeit aussieht.

SVN: Wie stark ist die Position der Schweiz in der Normungsarbeit?
Urs Fischer: Die Schweiz ist eine sehr aktive und gerne gesehene Spielerin auf dem internationalen Parkett. Diese Tatsache wird ebenfalls durch messbare Aspekte bekräftigt. Gemessen wird, wie stark ein Land Führung in den Gremien übernimmt und wie viele Expertinnen und Experten mitarbeiten. Von den 164 teilnehmenden Ländern rangieren wir, gemessen am Engagement in der Normung, unter den ersten 15 Ländern. Nebst den harten Kennzahlen verfügen wir über eine Expertenschaft, die weltweit als Meinungsmacher, Vorreiter und ausgewiesene Koryphäen in ihren Spezialgebieten gelten und von der Normungsbühne nicht mehr wegzudenken sind.

SNV: Wie viel Zeit muss ich als SNV-Mitglied und entsandter Experte aufwenden?
Urs Fischer: Der Aufwand kann von den Experten, respektive vom SNV-Mitglied selbst bestimmt werden. Übernehmen die Expertinnen und Experten eine einfache Beobachterrolle, ist der Aufwand äusserst gering. Das SNV-Mitglied kann je nach seiner Kosten-/Nutzenrechnung mehr Zeit investieren und damit einen grösseren Hebel erzielen, die Marktbedingungen in seiner Branche zu beeinflussen und zu steuern. Schon vor der Pandemie hat die SNV bereits auf virtuelles Zusammenarbeiten gesetzt, um somit den Zeiteinsatz der Mitglieder bewusst und nachhaltig zu optimieren.

SNV: Wie unterstützt die SNV neue Mitglieder bei der Einarbeitung in das doch komplexe Thema der Normungsarbeit?
Urs Fischer: Unsere SNV-Academy unterstützt unsere Mitglieder und weitere Interessenten mit einem breitgefächerten Kursprogramm. Die einzelnen Module können als Einzel- oder Firmenkurse gebucht werden. Unsere Mitglieder erhalten dabei 20 Prozent auf die Teilnehmergebühren. Zudem hat jedes neue Mitglied über den Member Service oder über die zuständigen Komitee Manager Anspruch auf eine kostenlose persönliche oder virtuelle Schulung.

SNV: Wie blicken Sie auf dieses bewegte Jahr zurück?
Urs Fischer: Das Jahr hat wiederum gezeigt, dass Normen in jeder Lebenslage ihre Berechtigung haben. Trotz der Pandemie wurde fleissig weitergearbeitet, ja in einigen Bereichen gab es sogar einen richtigen Boom an neuen Normenprojekten. Dafür möchte ich mich aufrichtig bei den SNV-Mitgliedern bedanken. Danken, dass sie uns weiterhin treu geblieben sind und trotz oder sogar wegen der unsicheren Zeiten den Wert von Normen und einer einheitlichen Sprache erfahren und mitgetragen haben.

SNV: Was wünschen Sie sich für die zukünftige Normungsarbeit?
Urs Fischer: Für den Werkplatz Schweiz wünsche ich mir, dass wir unsere starke Position in der Normungsarbeit weiter behaupten und ausbauen. International ist viel Bewegung im Markt. Grosse Player wie beispielsweise China erhöhen den Druck und bringen monatlich neue Projekte in die Pipeline. Meiner Meinung nach ist es ausserordentlich wichtig, dass die Schweiz sich in dieser intensiven Phase nicht von kulturellen Stereotypen geprägt passiv verhält, sondern die Initiative ergreift und auf die innovativen Partner zugeht. Nur so bleibt unser erstklassiger Stellenwert erhalten und der konstruktive Einfluss auf aktuelle und zukünftige Marktchancen unseres Landes intakt. Weiter wünsche ich mir, dass wir uns als Vereinigung kontinuierlich weiterentwickeln, offen bleiben für die zeitgemässen Bedürfnisse etablierter sowie neuartiger Stakeholder und Zukunftschancen selbstbestimmt mitformen.

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Die Geschichten gehen uns noch lange nicht aus. Nächstes Jahr legen wir den Schwerpunkt auf «Normen in der Ausbildung». Freuen Sie sich auf ein lehrreiches Potpourri.

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