SNV-Story #2: Swisspod Technologies SA

Reisen wir bald in nur 17 Minuten umweltfreundlich von Genf nach Zürich?

Swisspod ist ein 2019 gegründetes Schweizer Unternehmen für Verkehrstechnologie. Als Branchenvorreiter entwickelt es ein möglichst nachhaltiges, effizientes und umfassendes Hyperloop-Konzept, das Städte und Menschen in Zukunft stärker vernetzen wird. In einem Interview mit Gila Cohen Kropf von Swisspod Technologies tauchen wir in dieses spannende Thema und seine praktische Umsetzung ein.

Bildbeschreibung: Reisen per Rohrpost: ein nachhaltiges und energieeffizientes Hochgeschwindigkeitskonzept

SNV: Wie stellt man sich bei Swisspod Technologies die Mobilität der Zukunft vor?

Swisspod: Swisspod ist ein Spin-off, das sich aus dem Hyperloop-Wettbewerb entwickelt hat. Dieser wurde übrigens von SpaceX, dem Unternehmen, welches Elon Musk gegründet hat, gesponsert. Unsere Arbeit zielt darauf ab, den Reisealltag zu verändern, indem wir alle Grossstädte mit Hilfe von nachhaltigen und energieeffizienten Hochgeschwindigkeits-Hyperloops verbinden. Bei diesem neuen Verkehrsmittel sind Störungen im Betriebsablauf die absolute Ausnahme, da ungünstige Wetterverhältnisse hier keine Rolle spielen. Unser Hyperloop-System läuft in einer unterirdischen Tunnelinfrastruktur, die erdbebensicher und vor starken Winden und Stürmen geschützt ist. Dies gewährleistet ein reibungsloses Reiseerlebnis für die Passagiere an Bord.

Wir stellen uns das so vor, dass sich bis 2050 ein Hyperloop-Netz über den gesamten Kontinent ziehen wird. Dieses Netz vereinfacht die Zusammenarbeit zwischen den Städten, beschleunigt den menschlichen Fortschritt und sorgt für mehr Wohlstand für künftige Generationen. In der Schweiz wird ein Passagier aus Genf ganz einfach in eine Hyperloop-Kapsel einsteigen und 17 Minuten später in Zürich wieder aussteigen können. Heute dauert die Zugfahrt 3 Stunden; mit dem Flugzeug ist es eine Stunde.

SNV: Auf welche Auszeichnungen und Erfolge sind Sie besonders stolz?

Swisspod: Die beiden Swisspod-Gründer Denis Tudor und Cyril Dénéréaz haben bei den Hyperloop-Wettbewerben, welche von SpaceX in den USA von 2016 bis 2019 organisiert wurden, zahlreiche Preise gewonnen. Dazu gehören unter anderem Auszeichnungen in den Kategorien «Bestes Design», «Innovationspreis», «Zuverlässigstes System» und ein dritter Platz in der Kategorie «Geschwindigkeit». Für das Greentech Festival 2020 zählt Swisspod ausserdem zu den drei besten europäischen Start-ups im Hinblick auf das Nachhaltigkeitsengagement. Und beim Schweizer Wettbewerb BIC of CERN Technologies waren wir dank unserer Innovation in der Mobilitätsbranche unter den Top 3.

Bildbeschreibung: Greentech Festival 2020: Swisspod gelingt Durchbruch als eines der drei besten europäischen Start-ups.

SNV: Was macht Swisspod Technologies für Sie zu einem attraktiven Arbeitgeber?

Swisspod: Was die beruflichen Perspektiven angeht, so braucht es für die Entwicklung einer wegweisenden Technologie und insbesondere eines neuen Verkehrsmittels eine ganze Bandbreite von Fachwissen aus dem Ingenieurwesen und der Betriebswirtschaft. Der Hyperloop ist eine der komplexesten ingenieurtechnischen Innovationen, die es heute in der Verkehrsbranche gibt – ein ambitioniertes Projekt, das sowohl zu meinen technischen und betriebswirtschaftlichen Fachkenntnissen als auch zu meinem beruflichen Hintergrund im Bereich Flug- und Luftsicherheit passt. Swisspod bietet mir die perfekte Mischung aus beruflicher Herausforderung und sinnstiftender Arbeit. Wir schaffen einen konkreten Mehrwert und halten unsere Versprechen, wenn es darum geht, unsere Ziele für die Gesellschaft möglichst nachhaltig und effizient umzusetzen.

Aus meiner persönlichen Perspektive betrachtet dreht sich alles um das Swisspod-Team – es ist das Schlüsselelement für eine stetige Weiterentwicklung. Unser Team ist enorm vielfältig, international und multikulturell aufgestellt und rund um die Uhr aktiv dabei, auf der Grundlage unserer dynamischen Arbeitsplattform neue Ideen, Kommentare und Beobachtungen zu diskutieren. Wir richten uns dabei nach unserem Leitsatz «Alle werden überall miteinbezogen» und verfolgen ein gemeinsames Ziel: den Hyperloop Wirklichkeit werden zu lassen. Alle Angestellten, Investorinnen und Investoren und strategischen Partner, die sich unserem Projekt anschliessen, vertreten dieselben grundlegenden Werte, mit denen wir unsere Zukunft bewusst gestalten wollen.

Bildbeschreibung: Das Erfolgsrezept von Swisspod «Alle werden überall miteinbezogen».

SNV: Sie arbeiten in einer hochinnovativen Branche. Gibt es da überhaupt schon Normen, oder werden diese parallel zum Entwicklungsprozess ausgearbeitet?

Swisspod: Momentan gibt es für die Hyperloop-Technologie weder gesetzliche Regelungen noch Normen. Es handelt sich um eine neuartige Technologie, deren Grenzen erst noch definiert werden müssen. Auf den ersten Blick denkt man vielleicht, dass ein solches, eher unsicheres Arbeitsumfeld, abschreckend wirken könnte, aber tatsächlich ist dies einer der faszinierendsten Aspekte bei der Hyperloop-Entwicklung. Einrichtungen und Unternehmen, die sich für das Projekt interessieren, haben bereits damit begonnen, ein solides Konzept für die Regulierung dieses neu entstehenden Marktes zu entwickeln. Dieses Rahmenwerk wird den Umgang mit Normen vereinfachen und dafür sorgen, dass wir die Normen laufend an die technischen Entwicklungen des Hyperloops anpassen können.

Bildbeschreibung: Swisspod ist nicht nur eine Spielwiese, auf der sich Ingenieurinnen und Ingenieure austoben können, sondern auch ein Zukunftsversprechen.

SNV: Wie sieht die Roadmap von Swisspod Technologies im Bereich Normung aus? Wie wollen Sie dafür sorgen, dass der Hyperloop ein sicheres Verkehrsmittel wird?

Swisspod: Wir wollen den Aufbau eines rechtlichen Regelwerks und die Entwicklung von technischen Normen fördern, welche die Betriebssicherheit der Hyperloop-Technologie gewährleistet. Dazu soll konsequent auf Tests, Zertifizierung, Qualitätsmanagement und kontinuierliche Prozessinnovation gesetzt werden. Die Arbeiten unserer Ingenieurinnen und Ingenieure und des F&E-Teams entsprechen dem neuesten Stand der Technik und ebnen den Weg für ein Hyperloop-Design der Spitzenklasse, mit dem Sicherheitsbedenken ausgeräumt werden können. Unsere Roadmap für die Hyperloop-Normung stellt sich daher folgendermassen dar:

  • Erstellung eines (technischen und wirtschaftlichen) Bestandsverzeichnisses genormter Hyperloop-Funktionen und -Systeme
  • Sichtung relevanter Normen zu bestehenden Transport- und Verkehrsmitteln in den Kategorien Raumfahrt, Luftfahrt und Schiene
  • Identifizierung von Normen, die auf den Hyperloop angewandt oder daran angepasst werden können (Lückenanalyse)
  • Bearbeitung der Bereiche, in denen neue Normen für den Hyperloop geschaffen werden müssen
  • Zusammenarbeit mit den relevanten Einrichtungen und Unternehmen zur Entwicklung spezifischer Normen für den Hyperloop (bspw. SNV)

Bildbeschreibung: Hyperloop-Wettbewerb 2019 mit Elon Musk - Das ETHL-Team erhielt mehrere Auszeichnungen für seine technischen Innovationen.

SNV: Sie sind für Risikomanagement, Regulierung und Normen zuständig – welche Aufgaben nehmen Sie da wahr bzw. betreuen Sie?

Swisspod: Unsere Aufgabe und Verantwortung bei Swisspod ist es letztlich, den sicheren Personenverkehr und Warentransport zu gewährleisten. Meine Arbeit konzentriert sich auf die Identifizierung von kommerziellen und betrieblichen Risiken und deren Minderung. Rechtliche Regelungen und Normen spielen bei der Risikominderung eine zentrale Rolle und sind für die Konstruktion und Entwicklung des Hyperloops von entscheidender Bedeutung. Daher haben für mich aktuell der Aufbau einer rechtlichen Struktur und die Normung des Hyperloops absolute Priorität.

Was die Normung angeht, arbeiten wir momentan an den geschäftlichen Aspekten und betrieblichen Abläufen des Hyperloop-Transports. Interessenträger nutzen die ISOlutions-Plattform als interaktives Tool zur Überprüfung von Strategien, Strukturen und Verfahren sowie zur Abstimmung und Entscheidung darüber.

Dazu gehören unter anderem:

  • Überprüfung von Dokumenten, Korrektur-Kommentare und/oder zusätzliche Informationen

  • Abstimmungen über Vorschläge

  • Alternativ- und Lösungsvorschläge

  • interne Diskussionen und Anpassungen (durch unser Ingenieurteam)

  • externe Diskussionen und Anpassungen (mit anderen Hyperloop-Unternehmen oder relevanten Interessenvertretern)

Ich bin aktiv an diesem ganzheitlichen Prozess beteiligt, gebe konstruktives Feedback vonseiten des Swisspod-Teams und stelle sicher, dass dieses auch berücksichtigt wird. So sorgen wir dafür, dass die technische Entwicklung und die Normung Hand in Hand gehen.

SNV: Warum sind Sie Mitglied der SNV geworden, und welche Vorteile ergeben sich für Sie aus der Mitgliedschaft?

Swisspod: Wir sind der Überzeugung, dass die Beteiligung der Industrie und der Aufbau einer harmonisierten Hyperloop-Community entscheidend sind, um den Hyperloop erfolgreich und schnell auf den Markt zu bringen. Als Mitglied der SNV können wir auf nationale und internationale Normen zugreifen. Dank des Arbeitsbereichs «Hyperloop-Systeme» kooperieren wir interaktiv mit anderen Ländern und können so die internationale Zusammenarbeit stärken. Dieses Kommunikationsinstrument ist für uns ganz wesentlich. Es ist besonders nützlich, um auch jetzt während der Pandemie, wo Präsenzsitzungen nicht möglich sind, einen strukturierten Ansatz zu verfolgen und interaktiv über die ISOlutions-Plattform über verschiedene Dokumenten abzustimmen.

Bildbeschreibung: Normung ist ein zentrales Instrument für die Betriebsoptimierung und die Sicherheit des Hyperloops.

SNV: Welche Normen haben Sie besonders im Blick?

Swisspod: Sicherheit und Energieeffizienz sind unsere Hauptprioritäten. Daher konzentrieren wir uns in der nächsten Zeit auf die Regulierung, Normung und Entwicklung eines energieeffizienten Verkehrsmittels. Die Sicherheitsvorschriften werden uns ein Rahmenwerk für die Normen vorgeben, die sich direkt auf das Design, die Tests und die Zertifizierung des Hyperloops auswirken.

Wir sind Mitglied in der europäischen Forschungsinitiative «Shift2Rail» der Europäischen Kommission und im europäischen Normenkomitee CEN-CLC JTC 20» zu Hyperloop-Systemen. Auf diesen Plattformen tauschen sich Regulierungsbehörden, Normenvereinigungen und deren Mitglieder, Hyperloop-Unternehmen und Industriefachleute aus. Die Mitglieder konzentrieren sich auf die neuen rechtlichen Vorschriften und Normen, die es für den Hyperloop braucht.

SNV: Sehen Sie Normen eher als Kostenpunkt oder als potenzielle Einnahmequelle?

Swisspod: Verkehrssicherheit und Energieeffizienz sind die grundlegenden Aspekte, die wir brauchen, um in Zukunft Gewinn zu machen und international rentabel zu werden. Fundierte Fallstudien zeigen, dass ohne Normung keine Optimierung unserer Betriebsprozesse möglich ist – und das unabhängig vom Standort oder von den Produktvarianten. Die Luftfahrtbranche ist dafür ein perfektes Beispiel – hier wurde ein hoher Grad an Regulierung und Normung erreicht. Flugzeughersteller und Fluggesellschaften sind über den ganzen Globus verteilt, sprechen aber was die Normung angeht die gleiche Sprache.

SNV: Welche anderen Unternehmen entwickeln Hyperloop-Technologien, und wie arbeiten Sie mit diesen zusammen?

Swisspod: Im Kontext der Hyperloop-Normung bei Shift2Rail und im JTC 20 arbeiten wir eng mit Hyperloop-Unternehmen aus Europa (Hardt, Nevomo, Zeleros) und Nordamerika (Virgin Hyperloop One, Hyperloop Transport Technologies und TransPod) zusammen. Unser Ziel ist es, bei der Gestaltung eines vorteilhaften wirtschaftlichen Umfelds für den Hyperloop einheitlich aufzutreten. Daher geht unsere Kooperation mit diesen Unternehmen über die vorgegebenen Treffen hinaus.

Im Rahmen der Hyperloop-Regulierung haben wir Zugang zu den Veröffentlichungen des US-amerikanischen NETT-Rats (Rat für nicht traditionelle und neu aufkommende Verkehrstechnologie). Der NETT-Rat lädt Unternehmen dazu ein, sich aktiv am rechtlichen Regulierungsrahmen für den Hyperloop zu beteiligen, und wir freuen uns sehr, dass wir in den USA an dieser Initiative mitwirken dürfen.

Wir arbeiten sehr gerne mit all den verschiedenen Akteuren der Branche zusammen, um Normen und Vorschriften für den Hyperloop zu konzipieren. Wir sind überzeugt, dass dieser kooperative Ansatz es uns ermöglichen wird, enorm innovative und dabei sichere Hyperloop-Technologien auf den Markt zu bringen.

Swisspod Technologies

Swisspod ist ein 2019 gegründetes Schweizer Unternehmen für Verkehrstechnologie. Als Branchenvorreiter entwickelt es ein möglichst nachhaltiges, effizientes und umfassendes Hyperloop-Konzept, das Städte und Menschen in Zukunft stärker vernetzen wird. Das innovative elektrische System von Swisspod kann Passagiere und Güter schneller als mit dem Flugzeug und so bequem wie im Zug von A nach B bringen – und das mit einem Bruchteil des ökologischen Fussabdrucks. 2020 wurde Swisspod vom Greentech Festival als eines der drei besten europäischen Start-ups für mehr Nachhaltigkeit ausgezeichnet und landete beim Schweizer Wettbewerb BIC of CERN Technologies unter den Top 3 in der Kategorie «Innovation in der Mobilitätsbranche».

Swisspod wurde von CEO Denis Tudor und CTO Cyril Dénéréaz, zwei mehrfach preisgekrönten Gewinnern des SpaceX-Hyperloop-Wettbewerbs, gegründet. Denis schloss seinen Bachelor of Science in Elektrotechnik unter den Jahrgangsbesten ab und promoviert an der ETHL zum Thema «optimiertes Hyperloop-Design». Er wurde von Forbes in den Rankings «30 under 30» und «Ten Outstanding Young People from Europe» gelistet. Cyril Dénéréaz ist einer der leitenden Maschinenbauingenieure im Labor für mechanische Metallurgie (LMM) der ETHL und als Teamleiter bei der Schweizer Luftwaffe für Kampfjetmotoren und Kraftstoffanlagen zuständig. Das Swisspod-Team setzt sich aus 35 interdisziplinären Expertinnen und Experten und Ingenieurinnen und Ingenieuren zusammen, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Hochgeschwindigkeitsreisen zu revolutionieren.

Der Hyperloop

Der Hyperloop ist ein neuer landgebundener elektrischer Verkehrsträger, der flexibles und schnelles Reisen zwischen weiter auseinanderliegenden Städten ermöglicht. Er setzt sich aus zwei Hauptbestandteilen zusammen: der Kapsel (auch «Pod» genannt, daher der Name «Swisspod») und der zugehörigen Infrastruktur. Die autonomen elektrischen Kapseln bewegen sich ohne Luftwiderstand durch eine versiegelte Niedrigdruckröhre, und dies fast mit Schallgeschwindigkeit (ca. 1200 km/h!).

Gila Cohen Kropf

Gila Cohen Kropf ist eine israelisch-schweizerische stolze Mutter zweier Studierender und lebt seit 1999 in der Schweiz. Sie verfügt über einen Bachelor of Technology und einen MBA mit Schwerpunkt Marktforschung. Zum Swisspod-Team stiess sie mit über 20 Jahren Erfahrung in der Luftfahrtindustrie. Sie war unter anderem für Swissair, Swiss International Air Lines, den Internationalen Luftverkehrsverband IATA und für DSV Panalpina tätig. Ihre Expertise im Bereich Risikomanagement und ihre Führungsqualitäten umfassen die Bereiche Sicherheit, Lieferkettensicherheit, Nachhaltigkeit, Erleichterung des grenzüberschreitenden Handels und Qualitätsmanagement. Das Interview des Swisspod-CEOs Denis Tudor mit CNN Money Switzerland inspirierte sie dazu, sich mit dem Hyperloop zu beschäftigen, den sie als das nächste grosse Zukunftsprojekt der Verkehrsbranche sieht. Sowohl ihr Bezug zur Start-up-Nation Israel als auch ihre «Swissness» passen sehr gut zu Swisspod. Als weltweite Leiterin des Bereichs Risikomanagement, Regulierung und Normen ist es ihr Ziel, die strengen Rechts- und Normungsvorschriften aus der Luftfahrt auf den Hyperloop anzuwenden und so sicheres Reisen in der Überschallröhre in naher Zukunft zu gewährleisten.

Gila Cohen Kropf

Head of Risk, Regulations, and Standards bei Swisspod Technologies SA

SI_Pfeil_recht_weiss
Was ist die Summe aus 1 und 2?

Wir behandeln Ihre Daten vertraulich und verwenden diese ausschliesslich zur Beantwortung Ihrer Anfrage. Wie Ihre Daten verarbeitet werden, sehen Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Nach oben
Verfügbare Sprachen