SNV-Story #:6 Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Mehr als 5000 Jahre Erfahrung verpackt in aktuell 67 Normen

Woran denken Sie bei der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)? An stechende Nadeln, an mit Geheimnis umhüllte Kräuterrezepte oder an einen ganzheitlichen Ansatz für Gesundheit und Wohlbefinden? Die chinesische Medizin hat viele Gesichter, die eines gemeinsam haben: Sie haben sich in Tausenden von Jahren entwickelt und arbeiten heute teils Hand in Hand mit der klassischen Schulmedizin. Die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) hat mit Prof. tcm Dr. med. Yiming Li und seinem Team über TCM und Normen gesprochen. Am Schluss verraten wir Ihnen noch drei chinesische Gesundheitstipps, mit denen Sie gut durch den Sommer und die Hitze kommen.

2015 wurde der Nobelpreis für Medizin zum ersten Mal an eine chinesische TCM-Expertin verliehen, die für die Entdeckung des Malariawirkstoffs Artemisinin (Qinghaosu) ausgezeichnet wurde. Bereits 20 Jahre vor diesem Meilenstein startete Prof. tcm Dr. med. Yiming Li als Leiter der «TCM Ming Dao AG» die Zusammenarbeit mit ZURZACH Care und integrierte – einmalig in der Schweiz – die TCM-Klinik in die Rehaklinik Bad Zurzach. Die Zusammenarbeit ist für beide Seiten sehr erfolgreich, setzt sie doch auf das Zusammenwirken von traditioneller, westlich geprägter und chinesischer Medizin. Heute können Patientinnen und Patienten an über zwölf Standorten in die TCM-Welt eintauchen.

Die «TCM Ming Dao AG» ist Mitglied im «INB/NK 1249 Komplementärmedizin» und dem dazu gehörenden «ISO/TC 249 Traditional Chinese medicine». Das ISO-Komitee «Traditional Chinese medicine» gehört mit weltweit 23 Participating Members und 24 Observing Members sowie zahlreichen Publikationen zu den aktiveren Komitees. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Qualität der Ginseng Samen, der einmalige Einsatz von Akupunkturnadeln oder sogar das Farbchart der computerisierten Zungenanalyse standardisiert sind? Aktuell sind 67 ISO-Normen publiziert und 29 weitere in der Entwicklung.

Das TCM Ming Dao Team

Mitbegründer und Leiter von TCM Ming Dao

Prof. tcm Dr. med. Yiming Li

Mitbegründer und Leiter von TCM Ming Dao

Vizepräsident des Verwaltungsrates, Facharzt für Rheumatologie & Schulmedizinischer Leiter TCM Ming Dao

Prof. Dr. med. André Aeschlimann

Vizepräsident des Verwaltungsrates, Facharzt für Rheumatologie & Schulmedizinischer Leiter TCM Ming Dao

Qualitätsleiter

Ralf Bauder

Qualitätsleiter

Verwaltungsratspräsident

Rainer Blaser

Verwaltungsratspräsident

Assistentin Geschäftsleitung

Ursula Haimel

Assistentin Geschäftsleitung

Rechts- und Unternehmensentwicklung

Dr. iur. Cyril Aeschlimann

Rechts- und Unternehmensentwicklung

Das TCM Ming Dao Team im Gespräch

SNV: In welchen Ländern hat sich die TCM in den letzten Jahren am stärksten entwickelt und weiterverbreitet?

Prof. tcm Dr. med Yiming Li
Ursprünglich von China aus hat sich TCM über den ostasiatischen Raum weiter in die USA und Australien verbreitet. In den USA und Australien hat vor allem der Beruf als «Doctor for TCM» einen hohen Stellenwert erlangt. Dies aufgrund der guten Ausbildungsmöglichkeiten in Akupunktur und Orientalischer Medizin.

In Europa ist TCM vor allem in England verbreitet, aber auch in Holland, wo die TCM vollumfänglich in das Krankenversicherungswesen integriert ist. Während der letzten Jahre erlangte TCM in Ungarn immer mehr an Bedeutung. Das Studium der TCM ist dort auf dem gleichen Ausbildungsniveau wie das der Schulmediziner.

Die Schweiz ist seit langem vor allem für das qualitativ hochwertige Angebot der TCM über die Landesgrenzen hinaus bekannt und Akupunktur hat sich zu einer der beliebtesten Methoden innerhalb der alternativen Medizin entwickelt. Die TCM ist in der Schweiz umfassend in das Gesundheitssystem eingebettet. Um in der Schweiz TCM nachhaltig weiter zu stärken und im Gesundheitssystem weiter zu etablieren, wäre es wichtig und nötig, den Fokus auf die Errichtung einer Ausbildungsmöglichkeit auf Universitätsniveau zu richten.

SNV: Wie stark sind Sie und Ihr Institut heute noch im Erfahrungsaustausch mit dem TCM Herkunftsland China?

Rainer Blaser, Prof. tcm Dr. med Yiming Li
Die Nanjing Universität für Chinesische Medizin (NJUCM) ist die «Wiege» der TCM-Hochschulausbildung in China und ist bereits seit 1983 das «WHO Collaborating Centre for Traditional, Complementary and Integrative Medicine (CHN-36)».

TCM Ming Dao pflegt bis heute einen engen Austausch mit der NJUCM, um die Beziehungen der beiden Länder durch klinische Dienstleistung, Ausbildung, Forschung und qualitative hochwertige Gesundheitsförderung weiter zu bereichern. 2016 erhielt TCM Ming Dao vom «Chinesischen Staatsdepartement für TCM» für die Kooperation eine Auszeichnung verliehen.

SNV: Inwieweit hat die Aufnahme von TCM in den offiziellen Krankheits- und Behandlungskatalog der WHO die Attraktivität seit 2019 zusätzlich gesteigert?

Prof. tcm Dr. med Yiming Li
Die Aufnahme von TCM-Diagnosen in die 11. Version der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD 11) der WHO war sicher ein deutliches Signal, dass TCM als vollwertige medizinische Disziplin mit ganzheitlicher Behandlungsmethodik zu noch mehr Akzeptanz und Attraktivität verholfen hat. Jedoch braucht es noch etwas Zeit, bis sich die Umsetzung in der Praxis mit den genormten Diagnosen (ICD) als Standard verbreiten wird.

Prof. Dr. med. André Aeschlimann
Die WHO ist eine international anerkannte Institution, die 1948 gegründet wurde, mit dem Ziel, für alle Völker das höchstmögliche Gesundheitsniveau zu erreichen. Mit ihren 194 Mitgliedstaaten ist sie federführend in globalen Gesundheitsfragen sowie in der Gestaltung der Forschungsagenda für Gesundheit, im Aufstellen von Normen und in der Formulierung evidenzbasierter Grundsatzoptionen.

Die WHO bietet ihren Mitgliedstaaten fachliche Unterstützung, bewertet und überwacht hierbei u.a. gesundheitliche Entwicklungen. Ein wichtiges Ziel der Institution ist die Stärkung der Gesundheitssysteme und Nutzbarmachung von Forschungsergebnissen, -daten und -erkenntnissen.
TCM ist in vielen Ländern erfolgreich im Gesundheitssystem etabliert. Sie spielt besonders in der Prävention von Krankheiten eine wichtige Rolle, indem sie versucht, den Körper ganzheitlich zu betrachten und die eigenen Kräfte des einzelnen Menschen zu stärken. TCM kann nicht einfach mit dem strukturellen Denken in der westlichen Medizin verglichen werden: Die Erkenntnisse der TCM-Medizinerinnen und –Mediziner beruhen nicht auf genetischem, immunologischem oder pathophysiologischem Wissen und Können, sondern auf eine über Jahrtausende hinweg vermittelte Erfahrung, die als funktionelles Denken betrachtet werden kann.

Die Aufnahme von TCM in den offiziellen Krankheits- und Behandlungskatalog der WHO ermöglicht nun einen Dialog «auf Augenhöhe» zwischen beiden Denkansätzen und es wird neue Impulse geben, das Beste aus beiden Welten zum Wohl der Patientinnen und Patienten u.a. in Lehre und Forschung weiterzuentwickeln.

SNV: Warum macht es Sinn, ein umfassendes medizinisches System, das über Jahrtausende und viele Generationen hinweg überliefert wurde in moderne Normen zu fassen?

Prof. tcm Dr. med Yiming Li
Die Verbindung von altem und neuem TCM Wissen in Normen gefasst, ermöglicht ein Etablieren und Verbreiten der TCM als evidenzbasierte Medizin und trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, die Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung in Kliniken und Praxen zu fördern und darüber hinaus führt es zur Präsenzstärkung der TCM in Wissenschaft und Gesellschaft.

Prof. Dr. med. André Aeschlimann
Moderne Normen haben in der Medizin zum Ziel, die Wirksamkeit und die Zweckmässigkeit einer Methode oder einer Entwicklung strukturiert zu erfassen, um die Qualität kontinuierlich verbessern zu können. Mit modernen Normen zu arbeiten bedeutet nicht, sich von einem «umfassenden System, das über Jahrhunderttausende und viele Generationen überliefert wurde», trennen zu müssen. Moderne Normen werden es aber ermöglichen, die einzigartige Philosophie der TCM der westlichen Schulmedizin näher zu bringen, das Verständnis für sie zu fördern und ihren Stellenwert aufzuzeigen. Moderne Normen werden auch als Grundlage einer gemeinsamen Sprache zwischen beiden medizinischen Denkarten dienen, und sie werden den Zugang zur evidenzbasierten Forschung erleichtern.

SNV: In welchen Bereichen sehen Sie die grösste Notwendigkeit, klare Normen zu entwickeln?

Prof. tcm Dr. med Yiming Li
Um therapeutische TCM Methoden weiter zu entwickeln bedarf es klare Normen in den Bereichen Klinik, Forschung, Lehre und Qualität. Neben der Einhaltung der ISO-Normen ist der PDCA-Zyklus (Planen-Umsetzen-Prüfen-Handeln) ein wichtiges Instrument, um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in allen Bereichen zu erreichen. Für TCM Ming Dao steht an vorderster Stelle die Qualität und allem voran der Patient oder die Patientin im Mittelpunkt.

Ralf Bauder
TCM Ming Dao betreibt mehrere Praxen an verschiedenen Standorten in der Schweiz und ist zertifiziert nach ISO 9001:2015. Für die Einhaltung von Qualitätsstandards setzen wir klare Schwerpunkte und den Fokus auf eine hohe Patientenzufriedenheit. Eine gute Kundenbeziehung liegt uns sehr am Herzen. Damit wir diese Ziele erreichen, legen wir Wert auf:
- Standardisierung der Abläufe und Prozesse an allen Standorten TCM Ming Dao
- Sicherstellung der Behandlungsqualität, Optimierung der Behandlungsprozesse
- Multiplikation des breiten Fachwissens der TCM-Ärztinnen und -Ärzte und gegenseitige Vertretung
- Kontinuierliche Verbesserung: Wir sind gut und wollen herausragend werden
- Interkultureller Austausch

Dr. iur. Cyril Aeschlimann
Normen sind keine Gesetze, sondern allgemeine Regeln oder Empfehlungen. Der Empfehlungscharakter führt dazu, dass sie nicht zwangsläufig angewendet werden müssen und keine Rechtsverbindlichkeit haben. Normen können allerdings rechtliche Auswirkungen haben, wenn in Gesetzen oder Verordnungen auf sie verwiesen wird, um nur ein Beispiel zu nennen. Für den Gesetzgeber ergeben sich aus der Möglichkeit, auf Normen zu verweisen, vielfältige Vorteile, so zum Beispiel, wenn eine Norm als Vorlage für einen Rechtserlass aufgrund ihres Regelungsumfangs oder in der benötigten Darstellungsweise nicht geeignet ist oder wenn der Regelungsgegenstand mit einer entsprechenden Norm angepasst und weiterentwickelt werden kann. Normen sind sprachlich und inhaltlich in der Regel zugänglicher als Rechtserlasse, womit auch eine bessere Akzeptanz bei der Anwendung erreicht wird. Hier gilt es anzuknüpfen.

Normen können und sollen bei der Optimierung der Patientenbehandlung eingehalten werden und so hohe Qualität und Hygiene sicherstellen. Bereits im Januar 2014 hat TCM Ming Dao als schweizweit erste Institution für sämtliche Zentren das ISO-Zertifikat 9001:2008 im Qualitätsmanagementsystem erlangt. Normen helfen auch steigende Qualitätsansprüche zu erkennen. Die Qualitätsanforderungen sind nach eigener Priorität angeordnet, je nach Bereich der Patientenbehandlung, einschliesslich der damit verbundenen Nebentätigkeiten.

Prof. Dr. med. André Aeschlimann
Ziel «klarer Normen» in der Medizin ist allgemein die Qualität einer Behandlung zu steigern, Warnsignale frühzeitig zu erhalten, um so beim Auftreten von nicht erwünschten Ereignissen diese vermeiden zu können. Hierbei steht das Wohl der Patientinnen oder der Patienten im Vordergrund.

In der TCM ist eine qualitativ hochstehende Dienstleistung ebenfalls von grosser Bedeutung. Am Patienten betrifft dies die Standardisierung der Behandlung (von der Aufklärung über die Behandlung selbst bis zur Ergebnisqualität). Dafür absolvieren die TCM Mediziner kontinuierlich Weiter- und Fortbildungen. Zudem ist dank der hochwertigen Dienstleistung für die Gesellschaft der Gesundheitsschutz, insbesondere bei der Entwicklung und Vermarktung von Arzneien oder Geräten gegeben.

Ursula Haimel
Im administrativen Prozessalltag sind Effizienz und vor allem die Fähigkeit, schnell und flexibel auf die Patientinnen und Patienten einzugehen die wichtigsten Punkte, um erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen. Eine klare Organisation der Prozesse in den Bereichen der Patientenadministration, Patientenabrechnung, Arztsekretariat in einem zuverlässigen Qualitätsmanagementsystem verankert, gibt den Mitarbeitenden Struktur und Sicherheit sowie den Raum für eine kontinuierliche Verbesserung.

SNV: Inwiefern hilft Ihnen die Mitarbeit im Normenkomitee in Ihrer täglichen Arbeit?

Prof. tcm Dr. med Yiming Li
TCM Ming Dao ist als erstes TCM Institut der Schweiz Mitglied im Normenkomitee der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV). Die Mitgliedschaft bei der SNV ermöglicht eine aktive Einflussnahme und Mitwirken. Die SNV bietet eine Kommunikationsplattform für einen internationalen fachlichen Meinungsaustausch. TCM Ming Dao wird sich auch weiter an der Realisierung der «ISO/TC 249 Traditional Chinese Medicine» aktiv beteiligen.

Dr. iur. Cyril Aeschlimann
Vor allem die Normen gehen über ihre Bedeutung als allgemeine Regeln oder Empfehlungen in der täglichen Arbeit hinaus: Über den Zugang zu Normenkomitees und der Möglichkeit zur Einflussnahme auf Normen in der Entstehung oder der Bearbeitung kann ein langes Qualitätsversprechen in der Patientenbehandlung abgegeben werden, welches über die Erwartungen der Patientinnen und Patienten hinausgeht und das gleichzeitig die Basis des hohen Ansehens und des Vertrauens ist, welches der Traditionellen Chinesischen Medizin im Allgemeinen und in der Schweiz im Besonderen entgegengebracht wird. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, wird die Bedeutung von Normen in der Arbeitswelt und im Umfeld von Gesetzen und Verordnungen sicherlich zunehmen.

SNV: Sie arbeiten intensiv mit der «Nanjing Universität für TCM» in China zusammen, um gemeinsam in der Schweiz ein «China-Schweiz TCM Zentrum» aufzubauen. Welche Projekte wurden hier schon umgesetzt und was ist in Planung?

Rainer Blaser, Prof. Dr. med. André Aeschlimann, Prof. tcm Dr. med Yiming Li
«China-Swiss TCM Center» zielt darauf ab, die TCM-Standards festzulegen und sich in den Fachgesellschaften zu integrieren, Einfluss auf die Weiterverbreitung der ursprünglichen TCM zu nehmen und die Beziehungen der beiden Länder durch klinische Dienstleitung, Ausbildung, Forschung und Gesundheitsförderung zu unterstützen.

Auch in Zukunft werden wir fokussiert weiter daran arbeiten das «China-Swiss TCM Center» zu realisieren und das Angebot als TCM Ausbildungsstätte auszubauen und die Zusammenarbeit mit der NJUCM weiter zu intensivieren.

Vielen Dank dem gesamten TCM Ming Dao Team für die spannenden Einblicke!

Sommer-Gesundheitstipp von Prof. tcm Dr. med Yiming Li
  1. Auch wenn Sie schon geimpft, genesen oder getestet sind, tragen Sie weiterhin eine Schutzmaske. Ein hoher Anteil der COVID Viren gelangt über die Atemwege in den Körper. Aus Sicht der TCM schützen und stärken Sie durch das weitere Tragen der Maske Ihre Abwehrkräfte und die Lunge, somit das Qi (Lebensenergie).
  2. Die langanhaltende Kälte schwächt den Körper dieses Jahr zusätzlich, vermeiden Sie kalte Getränke und Speisen und achten Sie verstärkt auf regelmässige warme Mahlzeiten.
  3. Nach körperlicher Anstrengung und Schwitzen ist es wichtig, den Körper nach dem Duschen mit einem Tuch vollständig gut trocken zu reiben bis eine leichte Rötung entsteht, auch dadurch wird ihr Immunsystem angeregt und gestärkt.
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