Story #12: 31 Jahre im Einsatz als SNV-Experte

Porträt des Normenexperten Dr. Jean-Marc Suter

Zum Abschluss unserer Serie über verschiedene SNV Expertinnen und Experten möchten wir Dr. Jean-Marc Suter vorstellen, der sich während 31 Jahren in der Normung engagiert hat. Über 30 Jahre Expertenerfahrung sind ein enormes Repertoire an Fachwissen. Deshalb haben wir für unsere Dezember-Story mit Dr. Jean-Marc Suter über einzelne Anekdoten und Highlights während seiner Tätigkeit für die internationale Normung gesprochen. Wir von der SNV danken Dr. Jean-Marc Suter an dieser Stelle von Herzen für sein wertvolles Engagement als Experte und Leiter verschiedener Normungsprojekte zugunsten der davon betroffenen Wirtschaftszweige in der Schweiz.

Erste Erfahrungen als Experte
Dr. Jean-Marc Suter erinnert sich noch gut an seine allererste ISO-Sitzung, an der er im Juli 1989 in Nizza teilgenommen hat. Zwei Dinge haben ihn besonders beeindruckt. Erstens weiss er noch heute, dass es während der ganzen Woche ohne Unterbruch geregnet hat. Und zweitens wurde die Plenarsitzung des Technischen Komitees ISO/TC180 von Simultanübersetzern ins Französische übersetzt, obwohl alle Teilnehmenden Englisch verstanden.

Neben Fachwissen braucht es Verhandlungsgeschick
Dass der heute 78-jährige Physiker für die Expertentätigkeit passende Qualitäten wie Fachwissen, Geduld und Kompromissbereitschaft mit sich brachte, lässt sich an einem eindrücklichen Beispiel beschreiben. Für eine ISO-Norm wurde während 5 Jahren darüber diskutiert, welche Fläche für die Berechnung des Wirkungsgrades von Sonnenkollektoren gewählt werden sollte. Es waren harte Marktinteressen damit verbunden. Zum Schluss einigte man sich darauf, dass drei verschiedene Bezugsflächen, nämlich die Bruttofläche, die Aperturfläche und die Absorberfläche herangezogen werden können.

Diese Anekdote zeigt, dass es weit mehr braucht als reines Know-how. Neben den Fachkenntnissen sind immer wieder Verhandlungsgeschick und Verständnis sowie Respekt für die teils sehr unterschiedlichen Interessen der Teilnehmenden unabdingbar. Nur dank solchen Eigenschaften lässt sich ein nachhaltiger Konsens finden, der für alle Involvierten stimmig ist. Dr. Jean-Marc Suter hat aus dieser und aus anderen Erfahrungen gelernt, «…dass es wichtig ist, Kompromisse einzugehen. Vielleicht ist eine Norm zum Schluss in ihrem Anwendungsgebiet etwas eingeschränkt, aber damit sie für den Markt nützlich ist, muss sie für alle passen.»

Emotionen gibt es auch in der Normung
Als Dr. Jean-Marc Suter in den 90er Jahren an einer Normungssitzung teilnahm, wurde über ein Testverfahren für unabgedeckte Sonnenkollektoren diskutiert. In diesem Zusammenhang musste man sich auf drei oder vier Parameter einigen. Dazu hatte ein Teilnehmer kürzlich eine Doktorarbeit verfasst, ein Wissenschaftler andererseits bezog sich auf Testresultate aus einem renommierten europäischen Prüflabor. Als sich das Gremium nach mehrstündiger Diskussion auf drei Parameter festlegte, verliess der Verfechter des vierten Parameters die Sitzungsrunde, setzte sich draussen auf die Treppe und brach in Tränen aus. Während für die meisten Konsumentinnen und Konsumenten die Normen hinter einzelnen Produkten und Anwendungen nicht sichtbar sind, zeigt dieses Erlebnis von Dr. Jean-Marc Suter deutlich, dass vor allem die Entstehung von Normen sehr wohl emotional sein kann.

Verschiedene Meinungen können übrigens nicht nur seitens der Unternehmen und der Fachpersonen aufeinandertreffen. Auch Behörden können unterschiedliche Interessen vertreten. So beispielsweise bei der Aufbereitung einer Warmwasser-Norm, bei der das Bundesamt für Gesundheit und das Bundesamt für Energie verschiedene Ansprüche an die Hygiene und an die Energieeffizienz haben.

Geduld und Präzision für ein Meisterwerk
Auf die Frage nach dem Highlight seiner 31-jährigen Normungsarbeit muss Dr. Jean-Marc Suter nicht lange überlegen. 1999 erschien die dreisprachige Terminologie-Norm ISO 9488, die er nach 10 Jahren Detailarbeit zur Publikation brachte und in der 162 Begriffe definiert wurden. Jeder einzelne Begriff musste auf Sprachnuancen in den einzelnen Ländern überprüft und abgestimmt werden. Diese damalige Norm, die zurzeit revidiert wird, darf als sein persönliches Meisterwerk bezeichnet werden.

Die Zukunft gehört der Kombination von Technologien
Dr. Jean-Marc Suters Quelle für seine Motivation war immer das Interesse an der Technologie, die ihm am Herzen lag. Das eigentliche Potenzial von Solaranlagen sieht Suter in der Kombination mit anderen Technologien – also beispielsweise Sonnenenergie und Speicherung.

Noch heute ist zum Beispiel das Speichern von Sonnenenergie ein heiss diskutiertes Thema. Es herrscht die gängige Meinung, dass das Speichern von Wärme vom Sommer in den Winter noch nicht genügend gelöst ist. Das erstaunt Suter, denn bereits 1991 bewies ein Energietechnikunternehmen im schweizerischen Burgdorf, dass das Speichern von Sonnenenergie möglich ist, indem es im Januar einen Swimmingpool mit Warmwasser befüllte, das im August gespeichert wurde. Dr. Jean-Marc Suter freut sich darauf, dass in Zukunft Sonnenenergie noch viel stärker mit anderen Technologien erfolgreich kombiniert werden kann. Es ist ihm auch wichtig, dass Hygieneregeln nicht nur in solaren Wassererwärmungsanlagen, sondern in allen Warmwasserversorgungen eingehalten werden.

Dr. Jean-Marc Suter

Dr. Jean-Marc Suter ist Gründer und Inhaber von Suter Consulting und eine renommierte Persönlichkeit im Bereich der Sonnenenergienutzung. Er führte ein Team von Forschenden im nationalen Forschungszentrum der Schweiz (heute das Paul-Scherrer-Institut im Aargau) und lehrte Physik. Zudem war er seit 1984 als Dozent im Bereich der erneuerbaren Energien tätig und spricht vier Sprachen. Dr. Jean-Marc Suter trug massgeblich zur Erarbeitung von mehreren komplexen technischen Handbüchern sowie zahlreichen Normen bei. Er war Experte für Normen im Bereich der Sonnenenergienutzung (z.B. ISO 9488) sowie für Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung in Gebäuden ( EN 12977-1 bis 3), in diversen Working Groups im ISO/TC180, CEN/TC312, CEN/TC164, CEN/TC228 tätig und langjähriger Vorsitzender im nationalen Normenkomitee INB/NK144.

Bildbeschrieb: Seine Freizeit verbringt der 78-Jährige gerne in den Bergen und ist seit
20 Jahren Tourenleiter des Schweizer Alpen-Clubs.

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