Die Goldenen Zwanziger – Ausgelassen, rasant und unglaublich innovativ

Bis heute sind die Goldenen Zwanziger der Inbegriff von Vergnügungssucht und Lebenslust. Dabei steht die Welt zu Beginn der 1920er-Jahre vor einem Scherbenhaufen. Der Erste Weltkrieg (1914–1918) ist zu Ende, die rund 40 kriegsbeteiligten Länder haben unzählige Verluste, Tote und Verwundete zu beklagen. Eine Generation junger Männer ist ausgelöscht oder traumatisiert. Vielleicht sind es die kollektive Niedergeschlagenheit und das Gefühl, nichts mehr verlieren zu können, die eine phänomenale Auf- und Umbruchstimmung hervorrufen. Die Zwanziger stehen nicht nur für schnelle Takte und betörende Trompetenklänge, sie sind auch ein Jahrzehnt voller bemerkenswerter Erfindungen.

Uhren: Die Unruh der Uhr vor Stössen schützen

Im Jahr 1790 erfand Abraham Louis Breguet den Pare-chute (den er zunächst «parachute», zu Deutsch «Fallschirm» nannte ). Er beschloss, den Unruhzapfen eine konische Form zu geben und sie mit kleinen, entsprechend geformten Schalen zu halten, die auf eine Blattfeder montiert waren. Ab 1792 waren die «Perpétuelle»-Uhren mit dieser Stosssicherung versehen, nach und nach wurde sie jedoch auch in seine anderen Modelle eingebaut. Die Stosssicherung in einer Uhr zielt darauf ab, die besonders anfälligen dünnen Unruhzapfen zu schützen.
Während des 19. Jahrhunderts gab es keine grundlegenden Fortschritte zu verzeichnen. Das Thema Stosssicherung trat jedoch mit der Entwicklung der Armbanduhr wieder in den Vordergrund, da diese ständigen Stössen ausgesetzt war – im Gegensatz zur Taschenuhr, die durch die Kleidung des Trägers geschützt blieb. In den 1920er-Jahren wurden mehrere Erfindungen patentiert, wobei keines der Systeme einem anderen überlegen war.
Das änderte sich jedoch, als Fritz Marti, technischer Direktor der Porte-Echappement Universel SA (später umbenannt in Portescap SA), 1933 den Incabloc® erfand (Schweizer Patent Nr. 168 494). Im Jahr 1937 folgten zwei weitere Patente. Das Schlagabsorptionssystem basiert auf einer mikroskopisch kleinen Stahlfeder in Form einer Lyra. In Verbindung mit einem Führungs-Doppelkegel ermöglicht diese Feder eine Verschiebung des Steinfutters, bis es von ihr zurückgehalten wird. Nach der Erschütterung wird das Futter von der Lyrafeder wieder in seine ursprüngliche Position gedrückt. Der Zapfen bewegt sich gegenüber dem Rubin nicht, das Ensemble (Futter und Deckstein) kann sich in der Lagerschale frei bewegen.
Die ab Juni 1933 in Serie produzierte Incabloc®-Stosssicherung wird ab 1934 in den Uhren des Unternehmens Montres West End SA eingebaut. Das Incabloc®-System gilt heute noch als Standard in der Branche.
Es existieren auch andere Stosssicherungssysteme, zum Beispiel Etachoc von ETA, Kif von KIF Parechoc SA, Diashock von Seiko oder Parashock von Citizen.
All diese Systeme sind so konzipiert, dass sie die Stossfestigkeit von Armbanduhren gemäss den Normen SN 289 130, SN 289 320 und ISO 1413 gewährleisten.

Quellen: Dominique Fléchon, «La conquête du temps» (2011), Wikipedia, www.incabloc.ch

Medizin: Die Entdeckung des Penicillins

Im September 1928 bemerkt der schottische Bakteriologe Alexander Fleming im Labor zufällig, dass ein Schimmelpilz eine wachstumshemmende Wirkung auf seine vergessenen Staphylokokken-Kulturen hat. Weitere Untersuchungen führen später zum Antibiotikum Penicillin, das die Lebenserwartung der Menschen deutlich erhöhen wird. Für seine Entdeckung wird Fleming 1945 zusammen mit Howard Walter Florey und Ernst Boris Chain, die seine Untersuchungen weiterführen, «für die Entdeckung des Penicillins und seiner heilenden Wirkung bei verschiedenen Infektionskrankheiten» mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Die Normung leistet wertvolle Arbeit für Laboreinrichtungen und Laborgeräte, die erst ein Zusammenpassen von Instrumenten und Materialien und damit einen effizienten Prozess ermöglicht. So konnte beispielsweise dank der Einführung von normierten Farben und Anschlüssen für Gase sichergestellt werden, dass der Anästhesist Lachgas, Sauerstoff und Stickstoff nicht verwechselt.

Physik: Albert Einstein erhält den Nobelpreis

Weil der junge Deutsche Albert Einstein an der heutigen ETH Zürich studieren will, zieht er mit 17 Jahren nach Aarau, wo er die Matura nachholt und anschliessend sein Studium mit dem Diplom als Fachlehrer für Mathematik und Physik abschliesst. Ob er damals ahnt, dass er später als weltweit bekanntester Wissenschaftler der Neuzeit gelten wird? Nach diversen Forschungsarbeiten und Publikationen führt ihn sein Weg ins Berner Patentamt und weiter zur Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Im Dezember 1922 wird Albert Einstein «für seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des fotoelektrischen Effekts» mit dem Nobelpreis geehrt.

Quellen: Wikipedia, Stern.de, The Board of Trustees of the Science Museum (Penicillin), ABB

Was haben Innovationen mit Normen zu tun?

Normen können als Katalysator für Innovationen dienen und dabei helfen, Lösungen schneller am Markt zu verankern. Es kann entscheidend für den Markterfolg sein, Aspekte einer Innovation in die Normung einzubringen, um den Markt dafür vorzubereiten. Insbesondere Innovationen, die über Branchen und Wertschöpfungsketten hinwegreichen, werden zunehmend bedeutsam.

Die Normung verhilft Erfindungen zum Durchbruch

Charleston

Junge Frauen in kurzen Röcken tanzen ausgelassen die ganze Nacht durch den Charleston.

Arbeit am Fliessband

Die Vereinheitlichung von Maschinenelementen war die Voraussetzung für Massenfertigung und Fliessbandarbeit.

Gucci

Der Sattlermeister Guccio Gucci gründet in Florenz eine kleine Werkstatt für Lederwaren und Gepäck.

Lindbergh

Charles Lindbergh wird mit seiner Atlantiküberquerung von New York nach Paris weltberühmt.

Fernseher

Nur ein normierter Datenaustausch ermöglicht die Übermittlung von visuellen Informationen. 1929 wird in Deutschland die erste Fernseh-Norm festgesetzt.

Reissverschluss

Riri bringt den ersten serienmässig gefertigten Reissverschluss auf den Markt. Heute können Reissverschlüsse dank EN 16732 einheitlich getestet werden.

ABB

BBC (heute ABB) erhält den Auftrag, die grösste Maschineneinheit der Welt für New York zu bauen.

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